Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 17.1894

Seite: 139
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unwahrscheinlich, weil dieser Umweg eine fast 11 Kilometer grössere
Distanz ergibt. Überdies gieng die Strasse nach dem Prolog über
Andetrium (Ballif S. 18) und fiel also bereits in ihrem ersten Theil bis Mud
mit der via Gabiniana zusammen. Dagegen lässt sieh ohne Untersuchung
des Terrains nicht entscheiden, ob die römische Strasse nach dem .Möns
Ulcirus bis Öitluk der Trace der heutigen gefolgt ist oder von Clissa
über Trilj und von da nach Sinj-Citluk angelegt worden und also auf
der Strecke von Salona bis Trilj mit der zum Tasse von Arzano
hinanführenden zusammengefallen ist. In dem letzten Falle beträgt
nämlich die Gesammtdistanz nur wenige Kilometer mein-, so dass wir
auch unter dieser Voraussetzung die durch die Inschrift geforderte
Entfernung von 77 römischen Meilen erhalten. Als erwiesen darf daher
meines Erachtens nur gelten, dass die von Dolabella ins Ditionengebiet
angelegte Strasse von Öitluk an mit der heutigen nach Knin führenden
identisch ist und dass der Möns Ulcirus auf der Passhöhe bei
R a s t e 11 o d i G r a b anzusetzen ist.3)

Eine Bestätigung für die Richtigkeit dieser Ausführungen entnehme
ich noch dem Umstände, dass infolge dessen die Wohnsitze der
Ditiones weiter nach dem Westen zu liegen kommen. Ihre Ein-
zeichnung im nordöstlichen Bosnien zu beiden Seiten der Bosna, die
auch in Kieperts neuester Karte (formae orbis antiqui 151. XVII) fest-
gehalten ist, beruht auf der falschen Lesung der Inschrift Nr. 3198.
Nicht 178 sondern nur 77 römische Meilen beträgt nach Nr. 10156
die Länge der von Salona bis in ihr Gebiet führenden Strasse. .Mit der
bisherigen Annahme, dass die Ditionen beiderseits der Bosna und bis
an den Drin sassen, war ferner die Angabc des Plinius (n. Ii. III 22.
142), wonach sie eines der stärksten Mitglieder des Conventus von
Salona gebildet haben, schwer oder gar nicht zu vereinigen. .letzt, da
wir ihre Sitze nordwärts von Knin ermittelt halten, bietet auch diese
Nachricht keine Schwierigkeit mehr.

Plinius nennt ferner die Ditiones unmittelbar vor den im nord-
westlichen Bosnien sitzenden Maezaeern, gegen die Germanicus im
Jahre 7 von Sissek aus zu Eelde gezogen ist (Dio 55, 32); ihre Wohn-
sitze rücken nunmehr auch in die Nachbarschaft der Maezaeer. Die
Erwähnungen der Ditionen bei Strabon (VII 5. 3 p. 314) unter den

3) Der Name lässt sich, wie mir G. Meyer mittheilt, aus dem Albanesisehen
erklären: ulk Wolf also Xüxetov ooo;. Vergl. den im Itin. Antonini p. 127 für
Paimonia inferior bezeugten Namen Ulcisia castra (Szt. Endre CJL III p. 458),
sowie Olcinium (Plinius n. h. III 144) OäXxtviov (Ptolemaeus II 16) jetzt Dulcigno.
Eine römische Strasse im Thale der Cetina und von Knin über Rastello 'Ii Grab
nach Petrovac nimmt jetzt (formae orbis antiqui PI. XVII) auch Kiepert an.
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