Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 17.1894

Seite: 140
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/archepigrmoeu1894/0153
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
facsimile
140

pannonischen Stämmen sowie bei Ptolemaeus (II 16) lassen sich mit
dieser Ansetzung ebenfalls vereinigen. Bei Ptolemaeus werden sie als
Nachbarn der Atv8apot genannt; bei Plinius m. Ii. III 22, 143) erscheint
ebenfalls nach den Dindari, freilich als Mitglieder des Conventus von
Narona, ein Volk der Glinditiones erwähnt. Der Name dieses Volkes
ist nur durch die Vorsilbe von dem der Ditiones verschieden, und es
darf daher als deren nächster Nachbarstamm gelten. Da nun bei Appian
(Illyr. 16) unter der Zahl der bereits von Augustus unterworfenen illyri-
schen Stämme auch die PX'.vp.otcovsc erscheinen, Augustus aber sicherlich
nicht bis ins nordöstliche Bosnien eingedrungen ist, so gewinnen wir
auch hieraus eine Bestätigung für die Verlegung der Ditionen in den
Westen Bosniens.

Auch aus den Ergebnissen der Forschungen Ballifs glaube ich
noch ein unterstützendes Argument für die angenommene Richtung der
Strasse von Salona nach Rastello di Grab und die Identifizierung ihres
Endpunktes mit diesem Passe zu gewinnen. Ballif hat nämlich gezeigt
• S. 15), dass die Meilenzählung der von Rastello di Gral) nordwärts
nach Petrovac und von da ins Sanathal führenden Strasse nicht, wie
man erwarten könnte, Salona sondern 15 um um zum Ausgangspunkt
hat. Die Strasse von Pastelle di Grab nach Norden ist nun aber, wie
die Inschriften der daselbst gefundenen Meilensteine zeigen (Patsch
S. 32 ff.) erst unter Claudius in den Jahren 47 und 48 n. Chr. gebaut
worden. Diese Thatsachen sprechen ebenfalls dafür, dass bei Pastelle
di Grab zwei zu verschiedenen Zeiten gebaute Strassen sich vereinigten
und dass die ältere von beiden, eben die unter Tiberius gebaute, in
dieser Richtung nicht weiter gereicht hat als bis auf die Passhöhe.
Erst unter Claudius ist also das nordwestliche Bosnien vom Süden her
durch eine Kunststrasse erschlossen und auch den von Salona weiter
nördlich gelegenen Küstenstädten ein directer Weg nach dem Bergwerks-
bezirk von Stari-Majdan geschaffen und damit eine kürzere Verbindung
zwischen der dalmatinischen Küste und Sissek hergestellt worden, als
auf der bisher von Salona über den Prolog nach Banjaluka und
Gradiska führenden Strasse.

II. 0. Hirschfeld hat (Hermes XXV S. 351 ff.) darauf aufmerksam
gemacht, wie unzureichend die Berichte des Vellerns und Cassius Dio,
die einzigen ausführlicheren Darstellungen des pannonisch-dalmatischen
Krieges, die uns erhalten sind, sich bei eindringlicherem Studium
erweisen, wie sehr sie uns besonders in allen topographischen Fragen
loading ...