Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 17.1894

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des Legionenaufstandes am Rhein an den Tag gelegt hatte, gerühmt.8)
So durfte Vellerns nicht sehreihen, wenn er nicht sicher war, dass
dieses ungünstige Urtheil über Germanicus als Feldherrn und diese
Geringschätzung seiner Leistungen bei Tiberius Beifall oder doch still-
schweigende Billigung finden werde. Es ist nicht unwichtig zu beachten,
dass uns Vellerns die Ansichten, die im Hauptquartier seines früheren
Vorgesetzten und bei diesem selbst galten, in seinem Buche auf-
bewahrt hat.

Ich glaube, dass ein Gleiches sich noch in einem zweiten Falle
erkennen lässt. Die Darstellung, die Vellerns dl 117 ff.) von der
Niederlage des Varus bietet, gibt die Eindrücke und Ansichten wieder,
die unmittelbar nach der Katastrophe in den Lagern am Rhein und
dann im Hauptquartier des Tiberius sich gebildet haben. Tiberius7
Urtheil über Varus ist das des Soldaten über den Juristen und Bureau-
kraten, der durch einen verhängnisvollen Missgriff Commandant der
Rheinarmee geworden war: die beste Armee, die Rom besass, hatte er
zugrunde gerichtet und dem Verderben preisgegeben.

Graz. ADOLF BAUE II

s) Vergl. was über Gerraanicus1 Haltung während des Aufstandes am Rhein
und die Berichte des Taeitus und Dio hierüber von Liebenam in Fleckeisens Jahrb.
143 Bd. S. 733 ff. bemerkt ist.
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