Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 17.1894

Seite: 152
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/archepigrmoeu1894/0165
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
facsimile
Ein Meilenstein an der Dorischen Donaustrasse.

Vor langen Jahren kam ich auf der Landstrasse zwischen Zeisel-
mauer und Tulln an einem aufrecht stehenden eylindrischen Steine
vorbei, dessen Gestalt auf eine Verwendung als Meilenweiser in
römischer Zeit hinwies. Ich suchte nach Kesten der Inschrift. Aber die
wenigen Buchstaben, welche auf der durch Feuchtigkeit zerstörten und
mit Moos und Flechten überzogenen Fläche hervortraten, boten so wenig
zur Beurtheilung des Schriftcharakters, dass ich zunächst nicht einmal
feststellen konnte, ob diese Schriftzüge antike seien oder nicht. Die der
Schrift abgewendete Seite der Rundsäule zeigte in scharfen, aber roh
gezogenen Kissen die Conturen eines lateinischen Kreuzes auf einem
unten offenen Halbkreis (dem Hügel Golgatha).

Erst als ich ein zweites- und ein drittesmal Gelegenheit fand;
mich genauer mit dem Steine zu beschäftigen und seine Reinigung zu
fordern, wurde mir die Vermuthung, dass hier ein römischer Meilen-
zeiger erhalten sei, zur Gewis'sheit. Von der Inschrift habe ich aller-
dings nicht mehr ermitteln können als einige Reste der weniger arg
zugerichteten unteren Hälfte und wenige sehr fragwürdige Spuren der
oberen Zeilen :

5 E

DEITISSIM
F E C E R V N T

XXVI

In Z. 8 war das erste Zeichen sicher A, das zweite eher C als
O, das dritte und vierte nahm ich zu verschiedenen Malen so auf:
L ^L, L IL, L/E und I ^; es schien von 1VP herrühren zu können. So
kläglich diese Reste sind, so ist es immerhin möglich, sie zeitlich
zu fixieren. Sie gehören nämlich dem Kanzleiformular an, das die
norische Statthalterei im Jahre 218 ausgegeben hat, und von dem
loading ...