Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 17.1894

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wieder Bedeutung' gewährt und ihn vor Beschädigungen geschützt haben.
Die ältesten Bauern, die zu befragen mir möglich war, hatten den
,Erdäpfelsack', so wird heute der Stein nach seiner charakteristischen
Form genannt, dort gesehen und hatten nicht gehört, dass er von
anderwärts hergebracht worden sei.

Die Centralcommission unterstützte in dankenswerter Weise meine
Bemühungen und war gewillt, selbst umfangreichere Grabungen zum
Zwecke der Constatierung eines Strassenlaufes durch einen Geldbetrag
zu ermöglichen. Leider gestatteten meine sonstigen Obliegenheiten mir
nicht, hievon Gebrauch zu machen. Ich gieng nur einmal im Laufe
dieses Monats (November 1892), an einein hässlichen nasskalten Morgen,
der auf eine lange Leihe verregneter und verschneiter Tage folgte, an
Ort und Stelle, deckte mit drei Arbeitern, die mir der Ortsvorstand
von Staasdorf besorgte, die Basis des Steines auf und suchte dann
noch zwei Stunden lang, solange die Arbeiter und ich es aushielten, an
einigen Stellen nach der vermutheten antiken Strasse. Allerdings vergebens.
Aber es ist sehr wohl möglich, dass die Pflugschar dort die Spuren
einer maeadamisierten Römerstrasse vertilgt hat. Der Humus reicht hier
nicht tief, und schon 40—50 cm unter der heutigen Oberfläche breite!
sich weithin ein Kieselfeld ans, der Boden eines ehemaligen Wasser-
laufes oder Sees. Der Meilenstein war in einen aus grossen Bruchsteinen
sorgfältig getilgten runden Mantel von etwa 50 cm Höhe und 50 cm
Dicke gebettet. Seine Gesammthöhe betrug an 2*32 m, sein Durchmesser
im oberen Theile an 0-65 m; der untere Sockel war ein wenig breiter
und zum Theile schadhaft und abgebrochen, was aber keineswegs eine
spätere Beschädigung zur unbedingten Voraussetzung hat. Ich fand
also zwar keinen Beweis für das Verbleiben des Meilensteins an seiner
ursprünglichen Stelle, glaube aber nach wie vor, dies voraussetzen zu
dürfen.

Der Stein steht auf dem Rain zwischen den Feldern des ehemaligen
Ortsvorstandes von Staasdorf Ettinger und dem des Bauern Lutz, west-
lich nächst der Einmündung des von Nietzing gegen die Landstrasse
Tulln-Königstetten gerichteten Fahrweges, etwa 10 m von der Land-
strasse gegen Süden, vom Bahnhofgebäude Tulln etwa 1*8 km entfernt.
Die Zahl der Million, die der Stein als Entfernung bis C(etium) angibt,
ist 26. Ein die V in dieser Art schneidender Strich: X'r scheint einer
zufalligen Verletzung seinen Ursprung zu verdanken und gar keine
Beachtung zu verdienen. Schlagen wir von der Standstellc des Meilen-
steins nach Westen hin mit dem Radius von 26 Millien einen Bogen,
so stecken wir leicht die Grenzen ab, innerhalb derer wir nach Cetium
suchen dürfen, und erhalten ein zuverlässiges Mittel, jene unter den für
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