Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 17.1894

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Buelistabenhöhe in Z. 1—6 0-03, Z. 7—9 0-02. Die Schrift ist tief
und scharf eingehalten (weit offenes P!) und verweist in Verbindung- mit
den zahlreichen Fällen von Archaismen3) auf die letzten Jahrzehnte
des siebenten Jahrhunderts der Stadt, wozu recht wohl stimmt, dass die
Freigelassenen der Inschrift ein Cognomen führen, die Freigeborene
Z. 9 aber desselben entbehrt. Die Punkte sind dreieckig und Verhältnis-
massig sehr gross gerathen. [Jetzt abgedruckt in Büchelers Anthologia I
n. 848.1

ADVLES CENS^TAMvETvSI^PRO PERAS
HIOTEvSAXSOLVSv ROGAT^VT^SE
ASPICIAS*DEINDE4VT*QV0DvSCRIPTVST
LEGAS v HIC*SVNT*OSSA*MAECIvLVCI SITA
5 PILOTIMIvVASCVLARI^HOC^EGO-'V('i V VV-
NESCIVS'NI*ESSES*VALE*POSTER: 31VS

L'MAECI'L'L'SALVI'MANCHAE'MANCHAE'F
R VTILI A'RVT I LI AE'L'HETH AE R A'
MAECIA'L'F*

Für die Beurtheilung des metrischen Aufbaues scheint mir maass-
gebend zu sein, dass Z. 2 nach saxsolus und Z. 4 nach legas ein
grösseres Intervall dem Steinmetz beliebt hat. Ob posteris ins metrisch
gemessen werden soll, kann zweifelhaft sein. Vergl. den Nachtrag
Prof. Bormanns am Schluss dieses Heftes.

Z. 5 ist im Satze hoc ego volebmm)*) nescius ni esses (ähnlich in
dem stadtrömischen Epigramm Eph. epigr. IV 861 hoc völuit, nescius
nc esses. vaU) ein dicere mitzuverstehen.5) Die masculine Form des
Deminutivums in Z. 2 saxsolus ist ein Xovum; doch war die masculine
Form saxsus schon auf einer Grabschrift aus Capua CIL X 1131
(Hexameter) und einer aus Ravenna XI 137 (in poetisch gefärbter
Diction) gelesen worden; saxulum bei Cicero de orat. I 196.

3) Im Wortschlusse wird m in Z. 5 voleba ausgestossen; ebenso, zugleich mit
Abfall des Anlautes von est in Z. 3 scriptust. Die Aspiration der Tenues ist nocb
nicht geklärt: in Püotimi Z. 5 fehlt sie, in Hethaera Z. 8 hat sie unberechtigter-
weise Aufnahme gefunden. Z. 6 steht ni statt ne; in saxsolus Z. 2 ist nocb o ge-
wahrt und xs statt s geschrieben.

A) vole[bam] hat Prof. Bormann erkannt. Der Abklatsch zeigte VOLEBA,
also entweder VOLEBA (statt volebam) oder YOLESA; die Punkte der Inschrift
sind nämlich dreieckig, mit nach oben oder unten gerichteter Spitze. Der Hirschlersche
Auctionskatalog, für den der Stein vielleicht noch in besserer Erhaltung vorlag,
liest diese Stelle so: YC?FRA?, was gleichfalls für voleba(m) spricht; das 31
stand nie auf dem Steine.

5) [hoc ist wohl Object zu nescius esse = nescire. Also = volebam te hoc scire.

E. B.]
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