Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 17.1894

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wieder aufgefunden worden ist (CJL III 5671), für uns keinen weiteren
Wert hat.

Die Angabe ferner, dass die Inschrift bis zum Verkauf des alten
Schlosses Windhaag an Lorenz Schütter im Jahre 1597 über dessen
Portal eingemauert war, bestätigt Mommsens Vermuthung (CJL III 5671),
dass dieselbe in Enns oder Lorch gefunden wurde: das Schloss Wind-
haag5) befand sich nämlich bei dem gleichnamigen 18 km von Enns
im Gerichtsbezirk Perg nördlich der Donau gelegenen Orte.

Strein gibt allerdings, darin des Lazius Irrthum wiederholend,
Passau als Fundort an. Doeli ist dies, wie Mommsen schon bemerkt
hat, nur eine irrthümliche Schlussfolgerung des Apian aus den zu der
Inschrift im Corpus edierten Worten des Sigmar von Kremsmünster,
die die späteren dem Apian nachgesprochen haben. Sigmar hat vielmehr
den Stein in der Kirche von Lorch bei Enns gesehen. Dort ist er also
gefunden und in der Kirche vermauert worden und bei deren Abbruch
circa 1300 zum erstenmal wieder zum Vorschein gekommen. Durch
Strein erfahren wir nun, dass der Stein von dort nach Schloss Wind-
haag gebracht worden ist, wo er spätestens seit circa 1500 über dem
Thore eingemauert war. Im Jahre 1597 ist er wiederum entfernt und
von Friedrich Freiherrn v. Prager dem Freiherrn v. Strein geschenkt
worden.

Durch diese Nachricht aus Streins Annalen wird also auch die
Vermuthung v. Sackens (Archäol. Wegweiser durch Niederösterreich
Bd. II, vergl. CJL III 11814) bestätigt, dass die Inschrift sich in
Streins bei Ferschnitz in der Nähe von Amstettcn gelegenen Schlosse
Freydeck befunden habe, das zwischen 1575 und 1594 erbaut worden
ist. Von dort ist sie dann in die Schmiede nach Perschnitz gekommen,
wo sie Kerschbaumer 1856 wieder aufgefunden hat.

Endlich liisst sich jetzt mit Hilfe der Streinschen Annalen die
Bemerkung des Apianus p. 375, 3 und des Cholerus cod. fol. 239 —
also die Ortsangabe des Austriacus antiquus, auf den beide zurück-
gehen, — wonach sich der Stein Celeiae super portulam burgi befunden
habe, befriedigend erklären.

5) Das alte Schloss Windhaag, das circa 1300 zuerst erwähnt wird, kam Ende
des 15. Jahrhunderts durch Heirat in den Besitz der Freiherrn v. Prag oder Prager.
Friedrich v. Prag ist der dritte und letzte Besitzer dieses Namens, 1597 verkaufte
er das Schloss an Lorenz Schiitter von Klingenberg und 1620 kaufte es Joachim
Enzmüller, der spätere Graf v. Windhaag, von den Schütterschen Erben und erbaute
neben dem alten das in der Topogräphia Windhaagiana und bei Martin Zeiler be-
schriebene neue Schloss Windhaag, das seine Tochter nach seinem Tode 1675 nieder»
reissen liess, um aus dem Material auf dem gegenüber liegenden Berge ein Kloster
zu bauen.
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