Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 17.1894

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gestorbenen Dichters lateinischer Tragoedien M. Pacuvius und eines ein
halbes Jahrhundert oder etwas länger darauf in Rom gestorbenen Gold-
schmiedes niedrigen Standes im wesentlichen die gleiche metrische
Inschrift angebracht war. Wie ist das zu erklären?

Die Angabe, die Gellius den von ihm aufgeführten Epigrammen
auf die Dichter Naevius, Plautus, Pacuvius voranschickt, dass dieselben
von ihnen selbst gedichtet und für ihre Grabmäler bestimmt waren, hat
lange Zeit als zuverlässig gegolten. Erst Otto Jahn. Hermes 2 S. 243
bezweifelte, dass ,diese Männer mit so klarer Würdigung ihrer Stellung
in der Literaturgeschichte den kleinen Epigrammenkranz gedichtet
haben' und hielt sie für ,epideiktische Gedichte, nach dem Vorbilde
der Alexandriner".

Dann unterschied Bücheler Rhein. Mus. 27 S. 521 zwischen den
beiden Epigrammen mit den Namen des Naevius und des Plautus und
demjenigen mit Pacuvius: ,die beiden ersteren sind klärlich epideiktische
Epigramme, die Verse auf Pacuv .... sind ebenso klar die wirkliche
Grabschrift dieses um 622 gestorbenen Tragikers'. Diese Datierung
erschien ihm so sicher, dass er auf Grund derselben eine kurz vorher
(eph. epigr. IV S. 297 n. 861) publicierte, aus Pom nach England ver-
schleppte, auf einer Marmortafel eingegrabene Grabschrift:

Bogat, dt resistas, hdspes, t[e] lue tacitüs lapis,
dum ostendit, guöd manddvit qudius umbrd/m te[git\:
pudentis hominis frügi cum magna fid<\
praecönis Uli Grdni sunt ossa heic sitd.
Tantum est. Hoc vdluit neseiüs ne csses. Vdle.
A. Granius M. 1. Stabilio
praeco

in die sullanische Zeit setzen zu dürfen glaubte. Denn weil ,hier eine
so directe, so schwer sich loslösende und so bescheiden ändernde
Fortbildung des alten Typus, welcher im Pacuv-Epigramm ausgeprägt
ist', sei . . . könne der Granius Stabilio ,nicht einer späteren als der
auf Pacuv folgenden Generation zugewiesen werden'. Er identiticierte
ihn daher mit dem bei Lucilms erwähnten Praeco Granius, obwohl
diesem an zwei Stellen ein anderer Vorname (Q.) gegeben wird.

Die Büchelersche Scheidung der beiden Epigramme auf Naevius
und Plautus, welche den Verlust bezeichnen, den die rchnisehe Literatur
durch ihren Tod erlitt, und des Epigramms auf Pacuvius, das nur das
Grab als das des Dichters bezeichnet, ist einleuchtend berechtigt. Erstere
können erst einige Zeit nach dem Tode der Dichter verfasst sein, dass
letzteres eine wirkliche Grabschrift sein könne, war klar, auch bevor

Archäologisch-epigraphische Mittheilungen XVII, 2. \Q
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