Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 17.1894

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es (mit der Modification für eine andere Persönlichkeit) auf Stein zum
Vorschein kam. Aber diese Möglichkeit ist nicht sogleich Sicherheit:
die Angahe des Grellius, dass die drei Epigramme die wirklichen Grab-
schriften der Dichter und von ihnen seihst verfasst seien, ist für zwei
irrig, und damit ist ihre Beweiskraft auch für das dritte, bei dem
zunächst kein sachliches Bedenken vorliegt, erschüttert. Es fragt sich,
worauf beruht des Gellius Kunde von diesen Epigrammen?

Für das des Plautus nennt er selbst seine Quelle. Er sagt, er
würde die Autorschaft des Plautus bezweifelt haben,5) nisi a M. Varrone
positum esset in libro de poetis primo. Also hat er es aus Yarros Werk
über die Dichter und zwar dessen erstem Buch entnommen, und bei
seiner Arbeitsweise ist es wahrscheinlich, dass er die beiden andern,
auf Naevius und Pacuvius, ebendaher hat. Dies wird dadurch bestätigt,
dass von den drei weiteren Erwähnungen dieses varronischen Werkes
zwei "' ') bei demselben Gellius stehen, gleichfalls das erste Buch betreifen,
und dass von den beiden Dichtern, denen sie gelten, der eine Naevius
ist. Gellius citiert XVII 21, wo er nach Excerpten ex libris qui chronici
appellantur die berühmten Griechen und Römer von der Zeit der
Gründung Poms bis zum zweiten punischen Krieg aufführen will,
mehrfach Cornelius Nepos, vereinzelt Cassius (Hemma) und Porems
Licinus und ausserdem Varro, einmal für den Tod des M. Manlius ohne
Angabe des Buches, zweimal, für die Zeit der Geburt des Ennius und
der Abfassung seiner Annalen und für des Naevius Betheiligung am
ersten punischen Krieg und sein Epos über denselben mit dem Zusatz
in primo de poetis libro und in libr[o] de poetis primo. Es erscheint
demnach nahezu sicher, dass das ganze Capitel I 24 des Gellius auf das
erste Buch von Varro de poetis zurückgeht, und wir sehen, dass dies
Werk ausser den Erörterungen über Werke, Leben und Zeit der Dichter
auch Epigramme auf sie enthielt, die Gellius als von den Dichtern selbst
gedichtet und für ihr Grab bestimmt ansah. Wie hat man sich die
Einführung dieser Epigramme zu denken?

Die Schrift ,dc poetis' steht ihrem Gegenstand nach unter Varros
mannigfaltiger Schriftstellerei ziemlich vereinzelt da. Doch entsprechen,
meine ich, sehr seine sogenannten ,imagines' oder ,hebdomades'. Durch

5) Gellius mag, worauf mich Hofrath K. Schenkl aufmerksam macht, sich
gewundert haben, dass Plautus den Hexameter verwendet und seine eigenen Bythmen
(numeri) Nicht-Kythmen (innumeri) genannt haben soll. Diese Bezeichnung entspricht
bekanntlich der Anschauung der späteren Zeit. — Des Ausonius (idyll. 4, 48)
innumeros numeros sind wohl aus unserem Epigramm entlehnt.

5a) Die dritte steht bei Priscian 9, 32 p. 469 H ,Varro de poetis libro I: deinde
ad Siculos se adplieavit'. Gemeint ist Ennius, wie Bücheler mich belehrt.
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