Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 18.1895

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späten rohen Zügen eingehaltene Inschrift nennt Zeus und Hekata
(I. G. Ins. I 958. Ein ähnlicher der Hekata als tepa Stotsipa eodxoo;
tpeaacpopos IvvoSia geweihter Thron auf Rhodos, am Wege zwischen
Lartos und Gennadi Uber dem Meere: a. a. 0. Nr. 914). Zweitens eine
Anzahl von Nischen, welche ohne Zweifel bestimmt gewesen waren,
kleinere Weihungen aufzunehmen. Drittens der oben erwähnte Architrav
vom Asklepiostempel, wie wir wohl sagen dürfen. Nehmen wir hinzu,
dass sich dort zwei antike Cisternen befinden, welche das einzige gute
Trinkwasser der dürren Insel enthalten, so brauchen wir nicht erst an
die vollständige Analogie erinnert zu werden, welche uns der Südabhang
der Äkropolis von Athen bietet mit seiner Terrasse, seinem Asklepios-
heiligthum und seiner xpYjVT], um zu fühlen, dass wir hier im Bezirke'
des Heilgottes sind.

Und zwar des griechischen Heilgottes. Asklepios ist in den
dorischen Inseln, namentlich in Kos, aber auch in Rhodos, Karpathos,
Kasos seit alter Zeit zu Hause, viel länger als in Athen. Denn die Be-
ziehungen von Chalke zu Athen waren zwar zur Zeit des ersten attischen
Seebundes und noch, wie Thukydides zeigt, im letzten Jahrzehnt des
peloponnesischen Krieges mächtig und mögen für die weitere Ausbildung
des Asklepioscultus nicht ohne Einfluss gewesen sein; für die Herkunft
desselben aber ist es wahrscheinlicher, an Rhodos oder Kos zu denken.
Denn Chalke war mit Rhodos, im besonderen mit Kamiros, politisch
eng verbunden iL G. Ins. 1 694 und S. 158).

In hellenistischer Zeit aber genügten die alten Heilgottheiten nicht
mehr. Im Zusammenhange mit dem steigenden Einflüsse der Ptolemäer,
der für Rhodos schon um die Zeit der Belagerung von 304 beginnt,
fanden die ägyptischen Gottheiten allerorten Eingang. So finden wir
hier Isis, gepaart mit dem erst durch die Ptolemäer in Ägypten ein-
geführten Sarapis, wie allenthalben in der griechischen Welt, zum
Beispiel in Athen, in Delos, in Smyrna und in der Stadt Rhodos. Die
zahllosen Belege hat Drexler in Roschers Myth. Lexikon II 380 ff und
für Delos in seinen Mythologischen Beiträgen Heft I 1890 S. 5 Anm. 1
gesammelt; hier ist die Hauptfundgrube der Bericht über die französi-
schen Ausgrabungen im bull, de eorr. hell. AT 1882 S. 295 ff. Isis
und Sarapis wurden an vielen Orten als Heilgötter verehrt (Drexler
M. Lex. II S. 521 ff., für Sarapis bereits Plew De Sarapide diss.
Königsberg 1868 S. 36 ff.); ihr Cult schloss sich in Athen, in Smyrna
und anderwärts auch räumlich an den des Asklepios an. Für Chalke
scheint es allerdings so, als wenn die fremden Heilgötter vielmehr am
Hafen und nicht wie Asklepios auf der Burg verehrt worden seien.
Auch Isis und Sarapis erschienen den Kranken, die in ihren Bezirk
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