Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 18.1895

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142 Nachdem er so gesprochen, begab sich der Ziegenhirt Melanthios

143 durch die Fensterluken hinauf, nach des Oysseus7 Gemächern. —

Hiezu nun einige Bemerkungen.

Entgegen der Ansicht der bisherigen Interpreten, dass das Ver-
ständnis dieser Stelle vorwiegend von der richtigen etymologischen
Deutung des Wortes bpaoftupir] abhänge, möchte ich meinen, gerade
daran sei gar nicht viel gelegen. Diese Deutung scheint ja nun gefunden
zu sein: wenigstens ist die durch Döderlein hom. Gl. begründete Alt-
leitung von dem Stamme oppo- öpao- (oppog Steissbein, also bpao&upTj -
Hinterthüre) gegenwärtig fast allgemein angenommen. Die sachlichen
Schwierigkeiten des Textes sind alter dadurch keineswegs behoben
worden. Deren Lösung beruht vielmehr lediglich in der geeigneten
Interpretation der Wendung „^ap1 axpoxatov o'joov' (V. 127).

o'jooc bezeichnet bei Homer — ausgenommen den einzigen Fall
p 196, wo es für ..Weg" gebraucht ist — nie etwas anderes als
Schwelle. Aus diesem Grunde sind alle antiken und modernen Inter-
pretationen, die dem Worte hier eine andere Bedeutung unterlegen
wollten, nicht weiter zu discutieren. Es muss auch hier Schwelle
heissen.

Nun hatte aber das Megaron des Odysseus, wie überhaupt jedes,
nicht eine, sondern zwei Schwellen:

1. die steinerne Schwelle des eigentlichen Männersaales (tc 41;
p 30; o 258; <J) 88);

2. die hölzerne i eschene) Schwelle zwischen den Kypressen-
pfosten (p 339 ), die das über das Hauptgemaeh nach vorne verlängerte
Dach stützten und an diesem Megaron wahrscheinlich die xaXa ■Q-'jpsrpa
aüXfj? (137), die Front gegen den Hof, bildeten.

Der zwischen beiden Sehwellen gelegene Raum ist der ;rpö8ofioc.
Wenn sieh also die opaofropr, in der Wand des Megaron (126. 127)
zu äusserst neben der Sehwelle befinden soll, so musste sie entweder
im Prodomos liegen oder in dessen Vorhalle (falls dieses Megaron eine
solche besass.1) Im einen wie im anderen Falle wäre ohneweiters verständ-
lich, wie Odysseus, der ja mit seinen Gefährten gerade im Prodomos stand,

') Nach dem. was aus einzelnen Stellen etwa diesbezüglich geschlossen werden
könnte, getraue ich mich das Vorhandensein dieses Vorbaues vor dem Prodomos hier
weder zu behaupten noch zu leugnen. Obwohl die grossen Megara die Vorhalle meist
gehabt zu haben scheinen (vgl. Tiryns und Mykenai), gehörte sie doch schwerlich
unumgänglich zu einem solchen. Fehlte sie, so hatte das Gebäude die reguläre
Form des späteren templum in antis bzw. ev natpaaTao:, wie z. B. das Megaron
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