Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 18.1895

Seite: 9
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/archepigrmoeu1895/0015
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
facsimile
9

einen derselben, den Sauhirten, zur Hat neben der opacc9-6pTr] aufstellen
und ihm trotzdem so nahe bleiben konnte („lyp? iovra" V. 163), dass
er mit ihm zu sprechen in der Lag'e war (V. 164 fg\). Diese Thtire
musste nun ferner die Mündung eines schmalen Corridors sein (wie
Xaopifj bereits im Alterthum interpretiert wurde 2), der auf kurzem Wege
aus der Burg in die Stadt führte, und zu dem sie den einzigen Zugang
abgab.

Leider sind wir nicht in der Lage, jetzt den Plan des Megaron
von Ithaka aufzuschlagen und die Bestätigung dieser Deduction zu
zeigen. Glücklicherweise jedoch stimmten die griechischen Burgen des
mykenisehen Zeitalters in der Hauptsache der Anlage alle überein.
Wir blicken also auf den Plan von Tiryns und finden auch hier, was
wir brauchen.

AVer das Megaron von Tiryns betritt und die Vorhalle überschritten
hat, gelangt an die äussere Schwelle, auf der vier Pfosten stehen, die
den Einlass in den Prodomos bilden. Geradeaus blickt er auf die (innere)
ScliAvelle der grossen Thüre des Männersaales. Links aber im Prodomos,
in der Westwand des Hauses, öffnet sich ein kleines Pförtchen als Inn-
gang eines schmalen Corridors, der an dem Badezimmer und anderen
Hintergemächern vorbei nach Norden läuft und durch das Thor X in
die Mittelburg führt. Von hier wendet sich dann der Weg in scharfem
Knie westlich und mündet, über die lange Treppe in der Burgmauer,
bei T ins Freie. — Soweit wir bis jetzt unterrichtet sind, besass jede
mykenische Burg solchen versteckten Hinterweg (vgl. Tiryns. Mykenai,
Athen', also wird auch jedes Megaron jene Corridorthüre gehabt haben,
die ich nun als opaofrupy] bezeichnen mochte.

Bemerkenswert ist, dass die opao&upT] in Tiryns, wie die anderen
Thüren, in die Grundmauer eingeschnitten erscheint, weil auch der
Corridor auf ebenem Terrain hinlief. Hier scheint sich allerdings ein
ernstlicher Anstoss zu ergeben im Vergleich mit den Worten des Agelaos:

134 oux av §y] uc, av1 bpso&upTrv avaßouy]*

der Frauen zu Tiryns und das sogenannte ,.Thetideion" auf der Francoisvase, das
man einen Tempel zu nennen pflegt, während es nichts anderes ist als das Megaron
des Peleus mit dem Altare des Zeus wie A 772 fg. — Ubiigens konnte die Vorhalle
auch im Prodmnus mit einbegriffen sein.

2) Ich kann mich hier, ohne weitere Citate im einzelnen zu geben, auf eine
dankenswerte Untersuchung von Prof. H. Schenkl beziehen „die homerische Palast-
beschreibung in Od. / 126—143 und ihre alten Erklärer" (Analecta Graeciensia,
Festschr. zur 42. Philologenversammlung, Graz 1893, S. 63—78). wo die erhaltenen
antiken Erklärungsversuche unserer Stelle in übersichtlicher und gründlicher Weise
zusammengestellt erscheinen.
loading ...