Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 18.1895

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Haltung; der Verstorbene auf einem Monumente der ehemals Luxem-
burgischen Sammlung;, Wiltheiin pl. 36 n. 138. Man kann auch an
Scenen denken, wie sie auf Neumagener Monumenten vorkommen; ein
oder mehrere Männer tragen Geld in ein Comptoir, in dem eine sitzende
Person die Aufzeichnungen vornimmt, vgl. Bonn. Jahrb. LXXXIY
S. 259 und das Relief n. 244 des Hettner'schen Kataloges von Trier.
Sollte links vom Manne mit dem Geldsack eine sitzende Figur dar-
gestellt gewesen sein? Der Sitz wäre allerdings unverhältnismässig
hoch. Jedenfalls ist nicht mit E. v. Sacken an Mercur zu denken, der
den Beutel der symbolischen Bedeutung gemäss nie trägt, sondern stets
oben gefasst hält.

Stünde es von dem Steine in der Kirchenmauer fest, dass er nur
auf zwei Seiten sculpiert ist, so könnte man vielleicht, wie dies bei
einem vor kurzem in Carnuntum gefundenen zweiseitig sculpierten Steine
geschehen ist (s. A.E.M. 1893, S. 199 Fig. 31, XXXIII), an eine Ver-
wendung in der Cellawand eines tempelartigen Monumentes denken;
hei dem auf drei Seiten sculpierten Steine ist dies natürlich ausge-
schlossen, und wahrscheinlich ist eben auch der Stein in der Kirchen-
mauer auf einer oder beiden Schmalseiten mit Reliefs bedeckt. Mehr-
seitig sculpierte Steine zeigen sonst eine grössere Dicke; Neumagener
Steine, von welchen Hettner vermuthet, dass sie zur Einfriedung eines
Grabmonumentes gedient haben, sind ungefähr 0'06 dick, vgl. noch
Hettner im Katal. d. M. v. Trier z. n. 458—460. Ein Römerstein in
Karlsruhe (ursprünglich an der Kirche zu Dietlingen, s. Correspondenz-
blatt d. Westd. Zeitschr. 1, 12 n. 261) zeigt auf der einen Seite einen
Mann mit Beutel in der Rechten, auf der anderen eine nackte weibliche
Figur mit Schleier. Der Berichterstatter (E. Wagner) nieint — wahr-
scheinlich wegen der geringen Dicke, die er übrigens nicht angibt —,
die Reliefs seien zu verschiedenen Zeiten gefertigt; mir seheint hier
eine Analogie mit den Steinen in Pechlarn vorzuliegen. Das Monument,
zu welchem der Stein im Schloss gehört, muss wenigstens auf drei
Seiten frei gestanden sein und eine Fortsetzung nach oben gehabt haben.
Wenn der Stein in der Kirehenmauer herausgenommen werden könnte,
wäre es möglich, über dessen ursprüngliche Verwendung ins Klare zu
kommen.

In der westliehen Kirchenmauer erscheinen noch (mit der scul-
pierten Seite nach aussen) folgende Steine:

Links von dem besprochenen Relief mit den zwei Gewandfiguren
ein 0-90 breites, rechts 0-50, links 0-20 hohes Relief, dessen untere
Begrenzung ein Kreisbogen bildet; der Stein setzt sich, wie ich durch
Abschlagen des Bewurfes am unteren Rande festgestellt habe, unter
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