Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 18.1895

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Figur. Deutlicher ist das Relief zur Rechten. Wir sehen eine nackte
Gestalt, nach rechts im Profil, welche sich auf einem, wie es scheint,
mit einem Gewandstück bedeckten Sitze niedergelassen hat oder sich
eben erhebt ; der Oberkörper ist nach rechts vorgebeugt, in der Rechten
hält die Figur ein Tuch, dessen Enden zu erkennen sind. Vom Ober-
körper kann man nur den Contur des Rückens und Hinterkopfes deut-
lich sehen; die Haartracht scheint weiblich, dazu stimmt die Form des
sichtbaren rechten Beines und die Haltung. Rechts vor der Brust der
Figur kann noch etwas dargestellt gewesen sein, der Grund ist erhaben.
Man denkt an das Motiv der sich abtrocknenden Venus. In ähnlicher
Haltung erscheint auch Leda auf den Viergöttersteinen, s. Hang, Westd.
Zeitschr. X n. 29 (S. 22) und Wiltheim, Lucilib. pl. 94, 449. Venus,

Fig. 16.

das herabfallende Gewand haltend, auf einem Wochengötterstein Westd.
Zeitschr. IX S. 28 n. 3. Auf dem oben S. 31 erwähnten doppelseitig
sculpierten Steine aus Carnuntum ist eine nackte weibliche Figur in
ähnlicher Haltung sitzend dargestellt; nur kommt hier der linke Fuss
hinter der rechten Wade zum Vorschein.

Spärlicher sind die Reste der Figur auf der linken Seitenfläche.
Ob der Kopf nach links gewendet oder von vorn gegeben war, lässt
sich nicht sagen. Der rechte Arm geht nach abwärts vom Körper weg;
E. v. Sacken, der von einer opfernden Gestalt redet, hat hiermit nur eine
Vermuthung ausgesprochen. Auf den Viergöttersteinen begegnet aller-
dings häufig Juno mit der Rechten auf einem Altärchen opfernd; auch
Hercules und Mercur erscheinen auf denselben Monumenten oft mit
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