Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 18.1895

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ebenso nach abwärts gestrecktem rechten Arme. Der Stein gehört wohl
zu dieser Monumentengattung; vielleicht trug eine Seite eine Inschrift.
Kerschbaumer erwähnt nämlich in seiner Geschichte der Stadt Tulln
S. 461 „zwei Fragmente von Römersteinen (?) mit plastischen Figuren
als Ständer beim öffentlichen Brunnen in der verlorenen Gasse und im
Hofe des sogenannten Herrschaftsgebäudes•' und bemerkt, die Inschrift
an einem dieser Steine sei arg verwittert. An den von Kerschbaumer
angegebenen Orten habe ich vergebens gesucht; auch sagte man mir,
Kerschbaumer habe die Steine vor der Dreikönigskapelle an diesen Ort
bringen lassen. Jene werden wohl mit den beschriebenen identisch sein.
Die Steine dieser Art haben als Postamente gedient (s. Hang, Westd.
Zeitschr. X S. 338).

Der zweite, fragmentierte Stein hat die Form eines vierseitigen
Prisma mit Relief auf der dem Beschauer zugewendeten Seitenfläche
(0*83 X 0'27). Zwei Reiter, durch einen Baum getrennt, sprengen nach

Fig. 17.

rechts. Der Reiter zur Linken mit ärmelloser Tunica und kurzem
Mantel, welcher der Bewegung des Armes zu folgen scheint;, beugt sich
nach rückwärts und packt mit der ausgestreckten Rechten ein kleines
vierfüssiges Thier, das nach links entspringen will. Der zweite Reiter
trägt einen rundlichen Gegenstand in den Armen, wohl auch ein
kleines Thier.

Ein Relieffragment aus St. Johann bei Herberstein, abgebildet bei
Muchar, Gesch. von Steiermark I Taf. V 1, stellt einen Kampf zAvischen
Löwen und Kentauren dar. Die Kentauren haben aus einer Löwenhöhle
Junge geraubt, und einer trägt, sowie der Reiter rechts, einen kleinen
Löwen im linken Arme.

Etwas Ähnliches haben wir vielleicht hier vor uns. Der Stein
kann einen Theil eines Grabmonumentes gebildet haben. Streifen mit
Jagddarstellungen sind auf Grabcippen überaus häufig, vgl. A. E. M.
XIII S. 30, 1; 31, 3; 34, 11.

Wien.

FRIEDRICH LADEK
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