Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 18.1895

Seite: 63
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übertrieben ausgebogen2) ist die Hüfte der Göttin — reizvoll aus-
gestaltete Motive eines Werkes der hellenistischen Zeit zu wiederholen
scheint.

13. Statuette der Arteniis.

Weisser Marmor. Höhe 0*81, Breite 0-30, Dicke 0*28. Inv. Nr. fehlt.

Die Statuette ist unter den Füssen gerade abgesägt, also ohne
Plinthe, der Obertheil bis zu den Brüsten abgebrochen, in der Bruch-
fläche ein moderner Eisendübel.

Eine sehr schlanke, jungfräuliche Gestalt steht etwas nach rechts
geneigt auf dem rechten Beine und hat das linke zurückgesetzt. Sie
trägt einen dorischen Chiton, der längs der rechten Hüfte offen bis auf
die Zehen niederwallt. Er ist mit einem überaus langen Überschlag
versehen und über denselben unmittelbar unter den Brüsten gegürtet.
Vom Gürtel aus läuft zur rechten Schulter ein Band, das den Köcher
trug. Die hohe Gürtung, der schlanke Wuchs, der lange Überschlag,
das Köcherband wiederholen sich an Darstellungen der Artemis. Vgl.
Clarac IV, pl. 571, Nr. 1220 und Koscher, Lexieon der griechischen
und römischen Mythologie I, Sp. 606. Geringe, rückwärts vernach-
lässigte Arbeit.

14. Torso einer Statuette der Arteniis (?).

Weisser Marmor. Höhe 0'405, Breite 0-16, Dicke 0*13. Inv. Nr. 297.

Es fehlen der eingelassene Kopf, beide Arme und von den Knieen
abwärts beide Beine.

Eine jugendliche, weibliche Figur (rechtes Stand-, zur Seite ge-
setztes linkes Spielbein) ist bis zu den Knieen mit einem dorischen,
lang überschlagenden Chiton bekleidet und mit einem shawlartig zu-
sammengelegten Überwurf, der, gürtelähnlich um die Mitte des Leibes
gewunden, im Rücken zur linken Schulter hinaufgeht und von dieser
über die linke Brust, durchgesteckt unter den Gürtel, auf den linken
Oberschenkel in Zickzackfalten herabfällt. Als Stütze dient ein runder
Gegenstand jenseits des rechten Beines. Die Rückseite ist nur angelegt.
Die Tracht wiederholt sich an bekannten Typen der Artemis. Vgl.
Roscher, a. a. O. I, Sp. 604 und Clarac IV, pl. 570, Nr. 1215.

2) Ebenso übertrieben ausgebogen ist die Hüfte der ganz äbnlich gestalteten
Artemis (?) Statuette im Dogenpalaste zu Venedig, vgl. Dütschke, Antike Bildwerke
in Oberitalien V, Nr. 193.
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