Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 18.1895

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Massen, beschreibt an den Schläfen eine nach vorne ausladende, con-
vexe Linie und fällt vor jedem Ohre mit einem Büschel auf die Backe.
Es ist oben, wo man eine Scheitellinie sieht, und rückwärts nur flüchtig
angedeutet und zieht sich tief in den Nacken hinab, von wo es dann
beiderseits horizontal nach vorne gekämmt ist. Der Schädel ist oben
flach und bildet mit der Stirne einen sehr scharfen Winkel, so dass
er fast viereckig erscheint. Die steile, flache, hoch und breit geformte
Stirne dominiert das ovale Gesicht, die Augen sind weit geöffnet, ihr
äusserer AVinkel liegt tiefer als der innere. An dem geschlossenen

Fig. 8. Büste des Caligula(?).

Munde tritt die Oberlippe etwas vor. Der Hals ist schlank, die Brust
bedeckt dünne, leicht gefaltete Gewandung. Der Gesichtsausdruck ist
ernst, nicht düster.

Augenscheinlich stellt die Büste ein Portrait des julisch-claudi-
schen Hauses dar und ein Vergleich der Münzportraits des Caligula
(Bernoulli, a. a. 0. II/l, Taf. XXXIV, 1—3 und Imhoof-Blumer, a. a. 0.
Taf. I, 17) ergiebt auffällige Ähnlichkeiten: die nämliche Schädelbildung
mit dem flachen Scheitel und der steilen, hohen Stirne, eine streng
conforme Behandlung des Haares, eingesunkene Schläfen, grosse, weit •
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