Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 18.1895

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geöffnete Augen, die aufgeworfene Oberlippe, den schlanken Hals. Unter
den auf Caligula mit mehr oder minder Grund bezogenen Sculpturen
scheinen der Kopf im Lateran (Bernoulli, a. a. 0. Uli, S. 305, Fig. 46;
Benndorf-Schöne Nr. 211) und derjenige der Panzerstatue im Louvre
(Bernoulli, a, a. 0. II 1, S. 308, Nr. 16; Taf. XVI) am nächsten zu
stehen, während die capitolinischen Büsten (Bernoulli, a. a. 0. Uli,
S. 304 f.) und die mit ihnen verwandte Turiner Bronzebüste (Bernoulli,
a. a. 0. III, S. 307, Nr. 15; Fig. 47) nicht übereinstimmen, wie
sie auch den Münzen unähnlich sind. Auch der Kopf im Dogen-
palast zu Venedig (Bernoulli a. a. 0, II/l, S. 307 und 319; Dütschke,
a. a. 0. V, Nr. 326), der leider nur in Zanetti, Statue antiche della
biblioteca di S. Marco I, Tay. X publiciert ist, den ich aber im
Originale vergleichen konnte und dessen antiker Ursprung mir trotz der
Zweifel Dütschkcs und Bernoullis sicher scheint, stimmt mit unserem
Kopfe überein; ebenso eine Marmorbüste, die sich in anonymem Privat-
besitze in Rom befindet, und von der ich durch Dr Pollak eine Photo-
graphie erhielt. Es ist eine vorzüglich erhaltene und vorzüglich aus-
geführte Sculptur von etwas über Naturgrösse in der-nämlichen Kopf-
haltung. Man erkennt das Portrait eines Claudiers, einen Eichenkranz
auf dem Haupte, mit dem Ausschnitt eines Panzers, der völlig dem
des sogenannten Caligula im Louvre | Bernoulli, a. a. 0. IL 1, S. 308,
Nr. 16) gleicht. In der Vorderansicht zeigt der römische Kopf eine
breitere Stirne und weicht das Haar über den Schläfen, wie auf den
Münzen, noch weiter zurück; um so grösser tritt aber die Verwandt-
schaft im Profil heraus.

19. Unbärtiger männlicher Portraitkopf.

Weisser Marmor. Höhe 0*48, Breite 0*27, Gesichtslänge 0'19.
Inv. Nr. fehlt. Vgl. Fig. 9.

Der Kopf war zum Einlassen in eine Statue bestimmt und ist bis
auf die Nase, ein Stück der Locken über der Stirne und eine Ver-
letzung der linken Unterlippe gut erhalten.

Er erinnert unverkennbar an julisch-claudische Typen und mag
einen jungen Mann dieser Familie im Alter von etwa dreissig Jahren
darstellen. Das Gesicht ist kurz ,und breit, die Stirne niedrig und
etwas vorgewölbt. Das Haar ist nur über Stirne und Schläfen näher
ausgeführt und fällt hier in kurzen parallelen Locken herab, die in
gerader Linie enden. Aus der Haarmasse fällt vor den Ohren ein
Büschel auf die Backen. Die Augen sind gross mit breiten Lidern und
stehen weit von einander ab. Die Ohren sitzen tief, Kinn und Kinn-
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