Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 18.1895

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dem Kinn abgearbeitete Kopf sehr gut erhalten. In Stil und Vortreff-
lichkeit der Arbeit ist er dem vorhergehenden verwandt und dürfte aus
derselben Zeit herrühren.

Das Gesicht ist fast kreisrund und erhält durch das wilde Relief
des Haares, die zusammengezogenen Augenbrauen und den fest ge-
schlossenen Mund ein düsteres, halbbarbarisches Aussehen. Das Haupt-
haar ist gescheitelt, umrahmt die Stirne in grossen, wirren Locken,

Fig. 11. Römischer (?) Portfaitkopf.

bedeckt die Ohren mehr als zur Hälfte und geht tief in den Nacken
hinab. Die Stirne ist in zwei Hälften geschieden, deren untere stark
ausladet. Die Augenbrauen (zwischen ihnen zwei senkrechte Stirnfalten),
die Augensterne und Pupillen sind plastisch angegeben, an Oberlippe
und Kinnladen ein kurzgekräuselter, reliefloser Bart. Vgl. etwa den
römischen Portraitkopf im Dogenpalast zu Venedig, Dütschke a. a. 0.
V, Nr. 109.

23. Köpfchen eines Jünglings.

Weisser Marmor. Höhe 0-19, Gesichtslänge 0-105. Inv. Nr. 155.

Der Hals ist in der Mitte abgebrochen und hat in der Bruch-
fläche ein Dübelloch, ferner fehlt der ganze rechte Theil des Hinter-
kopfes, und über der linken Schläfe ist ein grösseres Stück abgesprungen.
Die Nase fehlt und war ergänzt, wovon in der abgearbeiteten Bruch-
fläche noch ein moderner Dübel steckt.

Der Kopf stellt einen Jüngling von idealem Typus dar. Das oben
und rückwärts nur flüchtig bearbeitete Haar ist kurz und liegt in
Büscheln an. Mittelmässige, schlecht erhaltene römische Arbeit; viel-
leicht von einem Sarkophage.
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