Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 18.1895

Seite: 75
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den Nacken tief hinab; vor jedem Obre eine Locke auf den Wangen.
Im Haare ein breiter, zweitheiliger Kranz aus Ficbtennadeln und
Zapfen, der sich über der Stirne diademartig aufbaut; vgl. etwa
Hettner, die röm. Steindenkmäler zu Trier, Nr. 670 und 830. Trotz der
üblen Erhaltung verräth sich doch eine bessere decorative Arbeit.

32. Kopf des Dionysos (?) in mannweiblichem Typus.

Weisser Marmor. Höhe 0-21, Gesichtslänge 0*16. Inv. Nr. 135.

Der Kopf ist unter dem Kinn abgeschnitten. Es fehlt die Nase,
die, wie ein Eisendübel zeigt, modern ergänzt war; eine Ergänzung des
Kinnes ist noch vorhanden. Auf der Höhe des Scheitels ein 0*02 tiefes
und breites, rundes Loch.

Der Kopf ist etwas nach links gewendet und war gegen die
rechte Schulter geneigt. Die idealen, weichen Gesichtsformen mit dem
kleinen, leise geöffneten Munde und der vorquellenden Unterstirne, ein-
gerahmt durch tippiges Haupthaar, erinnern an die mannweiblichen
Typen des Dionysos. Das gescheitelte und leicht gewellte Haar, durch
das sich eine, vermuthlich durch Malerei hervorgehobene Binde zog,
bildet über der Stirne und über den Schläfen je zwei grosse, lockige
Büschel, die vielfach die Anwendung des Bohrers zeigen und die Ohren
zur Hälfte bedecken, hinter denen es in lockigen Massen in den Nacken
hinabfällt. Gute decorative Arbeit der Kaiserzeit.

33. Jünglingskopf mit phrygischer Mütze.

Weisser Marmor. Höhe 0*22, Breite 0T9, Dicke 0-185, Gesichts-
länge 0T6. Inv. Nr. 111.

Unter dem Kinne ist der Kopf abgebrochen und die Höhe des
Scheitels ist abgeschlagen; Nase, Lippen und Kinn fehlen und waren
mit Gips ergänzt,

Das ovale Gesicht hat ideale Formen; das Haar ist gescheitelt,
fällt in kleinen Büscheln in die Stirne, entsendet vor den freibleibenden
Ohren je eine halbmondförmige Locke in die Wangen und reicht tief
in den Nacken hinab. Bedeckt ist es zum grössten Theile von einer
Haube, die sich der Schädelform anschmiegt, aber nicht vollkommen
glatt ist, sondern auf der Höhe über der Stirne parallele, auf die
Scheitellinie senkrechte Falten aufweist, als ob sich der Stoff der Haube
hier zusammenschöbe. Unmittelbar hinter jenen Falten liegt die er-
wähnte Bruchstelle, auf der man die Kuppe einer phrygischen Mütze
vermuthen darf. Zwei Reliefstreifen, die am Bande der Mütze über den
Ohren diagonal zu jener Bruchfläche hinauflaufen, könnten die auf-
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