Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 18.1895

Seite: 87
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tritt bedeutend vor, die Augenbrauen sind mit finsterem Ausdrucke
stark zusammengezogen, eine Andeutung- der Augensterne fehlt. Die
Ohren sitzen hoch und stehen spitz und wie erregt empor. Die breite
Stülpnase, der weit aufgerissene Mund, in dem die oberen Schneide-
zähne sichtbar werden und der breite Lockenlauf des vollen Lippen-
und Backenbartes vollenden einen Ausdruck von trotzig zürnender
Wildheit, der stark humoristisch wirkt.

Rückseite: In flacherem Relief zeigt die erhaltene Bildfläche eine
tragische Maske im Profil nach rechts, die auf einem Felsblocke ruht.
Das Haar liegt am Schädel flach an, thürmt sich über der Stirne zu
einem hohen spitzen Onkos auf und fällt im Nacken in geringelten
Locken herab. Der Mund ist weit geöffnet. Von den Augenbrauen bis
zur Oberlippe ist das Gesicht durch ein später eingebohrtes, kreisrundes
Loch von etwa 0-035 Durchmesser zerstört, das sich in die Tiefe dei'
Platte verkleinert, dieselbe durchbohrt und im linken Mundwinkel der
auf der andern Seite befindlichen Silensmaske zum Vorschein kommt.
Das Relief wurde also später, seiner ursprünglichen Bestimmung ent-
gegen, als Brunnenmündung verwendet.

Dieses, sowie das vorhergehende Relief sind vorzügliche Arbeiten
nach hellenistischen Vorbildern. Ähnliche oblonge Reliefplatten bei
Schreiber, Hellenistische Reliefbilder, Taf. 98—101; vgl. im allgemeinen
über derartige Monumente Welcker, Alte Denkmäler II, S. 122 ff.;
Albert, Revue Archeologique 1881, 2, S. 91 ff.; Reisch, Griechische Weihe-
geschenke, S. 145 ff. und Schreiber, Die Brunnenreliefs aus Palazzo
Grimani, S. 87 ff.

56. Bruchstück eines Yotiv (?) reliefs.

"Weisser grober Marmor. Höhe 0-17, Breite 0-21, Dicke 0-06,
Relieftiefe 0-02. Inv. Nr. fehlt.

Auf dem kleinen mit Ausnahme des oberen Randes allseitig ge-
brochenen Fragmente, welches ungefähr die Form eines liegenden
Rechteckes hat, ist links in Vordersicht ein vollbärtiger Kopf von
breiten Gesichtsformen sammt einem Theile des Halses erhalten, rechts
daneben in Augenhöhe die zugehörige linke Hand, die eine Lanze an
der Spitze hält und offenbar aufstützte. Geringe späte Arbeit.

57. Totivrelief an Juno.

Weisser Marmor. Höhe 0-345, Breite 0*275, Dicke 0-11, Relief-
tiefe 0-015. Inv. Nr. 265.

Flaches Relief, nischenförmig eingetieft in eine viereckige Platte,
eine weibliche Figur in Vordersicht darstellend, welche mit der Linken
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