Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 18.1895

Seite: 128
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/archepigrmoeu1895/0138
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
facsimile
128

Die Anfänge österreichischer Geschichte.

Griechische Colonien in Dalmatien, Horns erster illyrischer Krieg-,

Soweit ich die vorhandenen Werke über österreichische Geschichte
kenne, hat nur F. v. Krones in seinem „Handbuch" S. 144 und 145
kurz der Thatsache Erwähnung- gethan, dass die erste wirklich geschicht-
liche Nachricht über Ereignisse auf dem Boden der heutigen österrei-
chisch-ungarischen Monarchie von dem Eingreifen des älteren Dionvsios
von Syrakus zu Gunsten parischer Auswanderer im Jahre 385/4 v. Chr.
handelt; die sich auf Lesina (Pharos) niedergelassen haben.

Durch einen Rückschluss, wie sich aus dem folgenden ergeben
wird, können wir allerdings feststellen, dass in noch früherer Zeit auf
Lissa (Issa) ein griechisches Gemeinwesen entstanden war, und mit
grosser Wahrscheinlichkeit lässt sich ferner vermuthen, dass Griechen
vor jenem Jahre sich auf Meleda und Curzola (Kopxopa [jiXatva) — auf
der zuletzt genannten Insel Knidier vielleicht zwischen 394 und 390
v. Chr. — festgesetzt haben; später, aber immer noch im Laufe des
vierten Jahrhunderts, haben die Issaeer auch auf Curzola eine Stadt
begründet, wie eine hier gefundene Inschrift lehrt.

Die ersten geschichtlichen Angaben über Ereignisse auf Lissa da-
gegen stammen aus dem Jahrzehnt nach dem Ende des ersten punischen
Krieges.

Wollte man freilich der landläufigen, von zahlreichen Autoritäten 1
vertretenen Ansicht folgen, so müsste auch Lissa als eine Colonie des

*) Durch Boeckh's Bemerkung zu der Inschrift GIG 1834 steht vor allem für
die Sprachforscher fest, dass Issa eine Colonie von Syrakus sei: Ahrens, de dial.
Dorica p. 13, Sammlung griech. Dialectinschr III 3254—3259, Boisacq, dialectes
Doriens p. 16. Zu den von Holm, Gesch. Siciliens II 441 angeführten Vertretern
dieser Ansicht Müller, Niebuhr und Baoul-Bochette können hinzugefügt werden:
Grote, Griech. Gesch. VI 18 der deutschen, XI 21 der engl. Ausg., Mommsen B. G.
I 326 d. 5. Aufl., Kiepert, Lehrb. d. alt. Geogr. S. 359 setzt die Gründung von Issa
ins Jahr 390 v. Chr., liest also bei Diodor auch statt Lissos — Issa, Neumann Gesch.
Borns im Zeitalt. d. pun. Kriege S. 213, Zippel, die röm. Herrsch, in Illyricum S. 23,
Beloch, Atti della B. Ac. dei Lincei ser. III. vol. VII. p. 9 und Evans im IV. Bde.
von Freeman's history of Sicily p. 223. Holm selbst scheint später anderer Ansicht
geworden zu sein: in seiner griech. Gesch. III 150 nennt er nur Lissos (Alessio) als
Colonie des Dionysios. Die Programmaufsätze von Bass (Jahresber. d. k. k. Staats-
gymn. im EL Bezirk Wien 1881) und Martini (Progr. d. Gymn. Coblenz 1890) über
Dionysios den Alteren gehen auf diesen Punkt nicht ein.
loading ...