Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 18.1895

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in Dalmatien; Lesina folgt auch in dieser Hinsieht erst an zweiter Stelle.2}
Ans einer kürzlich zugänglich gewordenen, obwohl schon vor längerer
Zeit aufgefundenen Inschrift aus Lumbarda auf Curzola3) erfahren wir
endlich, dass Issaeer auch auf dieser Insel noch im vierten vorchrist-
lichen Jahrhundert eine städtische Niederlassung gegründet haben.

Ephoros ist der älteste namhaft zu machende Zeuge dafür, dass
Parier sich auf Lesina im Jahre 385/4 angesiedelt haben.4) Diese
später öfter wiederholte Nachricht wird durch den ionischen Dialect
der auf Lesina gefundenen Inschrift CIG 1837 d (== Kaibel ep. Gr.
809 = Bechtel, die Inschr. d. ion. Dial. 87) bestätigt. Der Anlass, der
diese Parier bestimmte, die Heimat zu verlassen und sich in der Adria
anzusiedeln, ist uns nicht überliefert, doch darf darin vielleicht eine
Folge des antalkidischen Friedens erblickt werden.

Kurz vor ihrer Niederlassung auf Lesina hatte der Tyrann von
»Syrakus, der ältere Dionysios, an der Mündung des Drin, bei dem
heutigen Alessio eine Colonic Lissos begründet, um für seine in Nord-
und Mittelgriechenland geplanten Unternehmungen einen sicheren Lan-
dungsplatz und Ausgangspunkt zu haben. Er hatte sich nämlich zum
Vertreter des in Syrakus in der Verbannung lebenden Molotterfürsten
Alketas gemacht und ihm 2000 Mann und 500 Panoplien zur Bewaffnung
von Illyriern zur Verfügung gestellt. Auch im Norden des adriatischen
Meeres hat er Colonien (Hatria an der Pomündung und Ankona) an-
gelegt. Im Zusammenhang mit diesen Unternehmungen ist er auch auf
Lesina als Förderer der parischen Ansiedler aufgetreten. Sein Befehls-
haber in Lissos unterstützte sie schon 385/4 und stand ihnen im nächsten

-) Über die Münzfunde in Dalmatien handeln Imhoof-Blumer Numism. Ztschr
XVI1884 S. 246 und Evans a. a. O. Über griechische Funde überhaupt E. v. Schneider,
Arch. ep. Mitth. IX 33 ff. Aus den Münzen lernen wir die Namen zweier nur als
Prägestätten bekannter Orte Herakleia und Di ... . kennen. Die griechischen In-
schriften aus Spalato und Trau sind wahrscheinlich von Lissa dahin verschleppt.
Inschriften aus Lissa CIG 1834—1837, Bullett. di corr. Arch. 1857, 45, Bullett. Dalm.
VIII 29 XV 132. 203; Spalato CIG 1830, 1830 b—d; Trau Bullett. Dalm. VIII (1885)
27, Arch. ep. Mitth. IX 6; Lesina CIG 1837 h—d.

3) Die jetzt in Agram aufbewahrte, in ihrer Art einzige Inschrift, war bisher
nur ungenügend im „Viestnik" der croat. arch. Gesellsch. V 97, XIII 42 veröffentlicht.
Sie ist nach dem Hieromnemon und den Logisten der Issaeer datiert und enthält
Bestimmungen über die Auftheilung der Landlose auf Curzola, sowie ein Verzeichnis
der Ansiedler. Leider ist der Anfang stark verstümmelt. Ich verdanke die Kenntnis
ihres Inhaltes der Freundlichkeit E. Bormanns. Sie wird wohl demnächst vollständig
von J. Brunsmid in den Abhandlungen des archäol.-epigr. Seminars herausgegeben
und erläutert werden.

4) Ephoros fr. 150=Steph. Bjz. s.v. fyäooq. Ausser bei Diodor a. a. O. findet
sich diese Nachricht auch bei Strabon VII 315 und Pseudo-Skymnos 426. Kiepert
(a. a. 0. S. 360) bezweifelt diese Angabe.
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