Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 18.1895

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Jahre abermals in den Kämpfen bei, die sie mit den alten Bewohnern
der Insel und den vom Festland herübergekommenen IUyriern zu be-
stehen hatten. Die kleinen Küstenfahrzeuge der Eingebornen wurden
von den grossen Kriegsschiffen, die der Eparch von Lissos herangeführt
hatte, in den Grund gebohrt oder mussten sich ergeben. Mehr als die
Hälfte der angeblieh 10.000 Mann starken Gegner wurden theils ge-
tödtet, theils gefangen. Dank dieser Hilfe waren die griechischen Colo-
ni sten von Lesina in der ummauerten Stadt, die sie am Meeresufer
gebaut hatten, gesichert und Herren der Insel.

Auch von Lesina aus suchten sich die Griechen auf das Festland
Dalmatiens zu verbreiten. Eine auf der Insel gefundene Inschrift meldet
von einem Siege über die 'IaSaoIvoi (GIG 1837 c); wie Boeckh ver-
muthet hat. sind dies die Bewohner von Jader, die Zaratiner. Wie viel
Jahre nach 385/4 dieser Kampf stattgefunden hat, entzieht sich unserer
Kenntnis, doch deutet diese Thatsache im Verein mit einigen anderen
darauf hin, dass im Anfange des vierten Jahrhunderts die griechischen
Colonien eine kurze Zeit lang sich gedeihlich entwickelt haben. Theo-
pompos, Ephoros, der Periplus des Pseudo-Skylax und der sicilische
Gewährsmann, dem Diodor die Geschichte Dionysios I. entnahm, sprechen
von den griechischen Niederlassungen auf den Inseln und an den
Küsten Dalmatiens; diese Gegenden, die im fünften Jahrhundert während
der Blüte der korkyräischen Seemacht über Apollonia und Epidamnos
hinaus nur selten befahren wurden und den übrigen Griechen kaum
dem Namen nach bekannt waren, werden zur Zeit Alexanders mit
cinemmale in der Literatur häufiger erwähnt.

Ob Korkyräer schon im fünften Jahrhundert auf Meleda und Cur-
zola sich niedergelassen haben, wissen wir nicht; auf Curzola haben
sich im vierten Knidier angesiedelt (Strabon VII 315, Pseudo-Skymnos
428, Plinius n. h. III 152). Die Zeit dieser Auswanderung ist zwar
nicht ausdrücklich überliefert, doch ist nicht unwahrscheinlich, dass die
Kämpfe der Spartaner in Asien, in denen Knidos 394 v. Chr. auf Seiten
des athenerfreundlichen Bundes stand, dagegen 390 wieder zu den Spar-
tanern übergieng, den Anlass dazu gegeben haben. Im Laufe des vierten
Jahrhunderts noch haben auch die Issaeer auf dieser Insel eine städtische
Niederlassung begründet, wie die bereits erwähnte Inschrift von Lum-
barda gelehrt hat.

Allein lange hat diese Zeit des Aufschwunges griechischen Wesens
auf den Inseln Dalmatiens nicht gedauert; die dort gelegenen Ansied-
lungen scheinen vielmehr zur selben Zeit, da sie in der Literatur öfter
genannt werden, bereits im Niedergang gewesen zu sein. Während des
Zeitraumes von 384/3 bis 230, also fast ein und einhalb Jahrhunderte bis
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