Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 18.1895

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auf den ersten illyrischen Krieg- der Römer fehlt in der geschichtlichen
Literatur jede nähere Kunde von diesen Ländern.5) Dieses Schweigen
aller Berichterstatter im Verein mit den Angaben einer attischen Inschrift
lehrt, dass von der Zeit Alexanders des Grossen angefangen wiederum
der Seerauh in jenen Meeren herrschte und die Lage der griechischen
Ansiedler sehr trübselig geworden war. Im Jahre 325/4 musste Athen
zum Schutze einer Colonie, die es nach einem nicht näher bezeichneten
Orte in der Adria entsendete und zur Aufrechthaltung der Verbindungen
mit derselben eine förmliche Flotte, aus Trieren, Tetreren und Triakon-
toren bestehend, ausschicken (CIA II 809). Aus dieser Inschrift, sowie
aus den Titeln zweier von den Erklärern angeführter Reden des Hyper-
eides und Deinarchos geht hervor, dass tyrrhenische Seeräuber den
Handel und die ruhige Entwicklung der Griechen schädigten und be-
hinderten. Zu diesen vereinzelten Nachrichten stimmt, was Imhoof-
Blumer (a. a. 0.) bemerkt, dass die syrakusischen und dalmatinischen
Münzen sich nur in den ältesten, dem vierten Jahrhundert angehörigen
Stücken ähnlich sind, während die Mehrzahl der Funde einen rohen
Eindruck machen, ..es scheint demnach sehr bald nach der Colonisation
eine Verwilderung der Sitten und Kunstfertigkeit eingetreten zu sein1".

Der redliche Eifer, den die Hellenen auch hier als Culturträger
bewährt halsen, ist also nicht von dauerndem Erfolge belohnt gewesen.
Die inneren Kämpfe in Syrakus machten die Fortsetzung der auswärtigen
Politik des älteren Dionysios und damit eine dauernde Unterstützung
dieser Colonistcn von Sicilien aus unmöglich, die gesunkene Seemacht
der Korkyräer vermochte gleichfalls diesem vorgeschobenen Posten des
Griechenthums keinen Rückhalt mehr zu bieten. Seit der Eroberung
Asiens durch Alexander wendete sich überdies der Strom der griechi-
schen Auswanderung wieder nach Osten hin. Hier bot sich dem Kauf-
mann reicherer Gewinn. Minder stürmische Meere, zahlreichere Hafen-
plätze, schiffbare Flüsse, die das Innere des Landes erschlossen, öffneten
sich ihm, zahlreiche Städte lockten zur Niederlassung. Mit den Völkern
des Orients war es zudem leichter Handel zu treiben, und es gelang
müheloser, bei ihnen die Herrschaft zu gewinnen als bei den kriegerischen
Vorfahren der heutigen Dalmatiner.

So konnte sich also griechischer Einfiuss hier im Ganzen weit
weniger geltend machen als an dem Küstenstrich von der Donaumündung
bis zum asow'schen Meer und weniger auch als an der Südküste Frank-

5) Issa und die Namen zweier nicht sicher festzustellender Inseln Dahnatiens
At)oxeXa8os und Hivjsia nennt um 250 v. Chr. Apollonius Bhodius, der die Argonauten,
ehe sie nach Korkyra kommen, an diesen Inseln vorbeifahren liisst (IV 563). Die
Namen der beiden letzten machen den Eindruck poetischer Erfindung.
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