Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 18.1895

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reichs. Seit dem Krieg gegen Pyrrhos hat die Concurrenz der Römer
den griechischen Handel im adriatischen Meer vollends lahmgelegt. So
sind diese Griechen in der Diaspora von allen Seiten bedrängt um das
Jahr 230 v. Chr., aus dem wir wieder bessere Kunde besitzen, Lissa,
die älteste und bedeutendste Stadt ausgenommen, den Illyriern des Fest-
landes unterlegen.

Es erübrigt nun noch, ehe ich die Darstellungen über den in
diesem Jahre geführten ersten illyrischen Krieg der Römer vornehme, zu
rechtfertigen, weshalb ich oben in der Erzählung von dem Auftreten des
Dionysios in der Adria dem Berichte Diodors (XV 13, 14) in seiner
überlieferten Fassung gefolgt bin.

Einzig und allein Pseudo-Skymnos. der Verfasser eines geographi-
schen Gedichtes, das um das Jahr 90 v. Chr. entstanden ist, bezeichnet
Lissa geradezu (413, 414) als Colonie der Syrakusancr. Dies ist der
Grund, auf den hin viele Forscher Lissa unter die Colonien des Diony-
sios zählen, und bei Diodor in den angeführten Capiteln entweder beide-
male oder doch an der zweiten Stelle anstatt Lissos — Issa in den
Text setzen und so die Gründung der griechischen Stadt auf Lesina
durch Parier mit der Besiedelung von Lissa und der Einrichtung einer
Flottenstation daselbst durch Dionysios I. in Zusammenhang bringen.
Diejenigen, welche beidemale statt Lissos — Issa schreiben, stellen da-
durch sogar die Existenz einer Colonie des Dionysios an der Drinmündung
überhaupt in Abrede.

Die Handschriften des Diodor bieten, wie jetzt aus Vogels Ausgabe
ersichtlich ist, c. 13 Aiaov, so auch der Patm., c. 14 hat die Hand-
schrift A AiGOTp der Patm. Aicmj. Aus dieser Textüberlieferung lassen sich
weder zu Gunsten noch gegen die Lesarten Aiaoov und A-'aotp oder "Iaaav
und 'IcjGTfj entscheidende Gründe gewinnen; immerhin aber spricht die
Überlieferung an der ersten Stelle bestimmt, an der zweiten einiger-
massen für die Lesungen Ätaoov und A-laato. Entscheidend ist also der
Zusammenhang. Dieser schliesst Conjecturen beidemale aus. Die Grün-
dung des Dionysios nämlich, von der c. 13 die Rede ist, erfolgte im
Zusammenhang mit dessen Unternehmungen bei den Molottern: syvoD
y.ata iov 'A§ptav tcoXsk; obuCeiv . toöio 8s iizpcnixs 8iaovoo6(ievo? xov 'Joviov
Tuopov ukoTcoielaöm, tva töv iici tyjv "HTusipov tuXoöv aacpaX^ xata-
ov.su aar, xat jröXet? eysiv ISta? el? to Sovaa^at, vaoat xa^op^ia^vai-
Diesem Zwecke diente eine Niederlassung bei Alessio an der Drin-
mündung vortrefflich, keineswegs aber die Besetzung von Lissa; folglich
muss an der ersten Stelle Aiooov im Texte bleiben. Aber auch an der
zweiten Stelle im c. 14 muss sv tq Ataaip gelesen werden. In c. 13
war nämlich Lissos als Gründung des Dionysios genannt worden und
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