Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 18.1895

Seite: 136
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einmal dem Unwesen der illyrisehen Seeräuber an den eigenen Küsten
in Epciros, Akarnanien, Elis und Messenien vermochte das alte Hellas
zu steuern. Da wandten sieh die Issaeer in ihrer Noth mit einer Ge-
sandtschaft nach Rom und baten um Hilfe. Diese Gesandtschaft und
die Klagen italischer Kaufleute über Störung ihres Handels durch
die illyrisehen Freibeuter hat Rom zum Anlass genommen, in der Adria
die beherrschende Stellung sich zu erzwingen, die es von dem ersten
illyrisehen Kriege ab nie mehr wieder aufgegeben hat.

Über diesen Krieg handelt Polybios II 2—12; die Livianische
Überlieferung liegt in der Epitome des XX. Buches, bei Florus I 21,
Eutropius III 4 und Orosius IV 13 vor. Ferner ist die Erzählung des
Dio Cassius durch fr. 49 (ed. Dind I p. 79) und Zonaras VIII 19 B
erhalten, die Darstellung Diodors im XXV. Bache ist dagegen verloren
und die des Trogus Pompeius am Schlüsse des XXVIII. Buches
durch die Leichtfertigkeit des Justinus ausgefallen (vgl. den Prolog zum
XXVIII. Buch des Trogus). Den zuverlässigsten Bericht bietet Appian
Uhr. 7. Es ist meine Ansicht, dass nach ihm die ausgeschmückte
officielle rinnische Version, die Polybios aus achäischer Quelle kennt, zu
verbessern ist.

Polybios hat bekanntermassen in den zwei ersten Büchern seines
Geschichtswerkes die Vorbereitungen kurz dargestellt, die den grossen
Eroberungskriegen Roms zwischen 220 und 168 vorangegangen sind.
Dazu gehört auch die Geschichte von der Gesandtschaft der Römer an
die Königin Teuta und der daraus entstandene Krieg, den Polybios,
wie er ausdrücklich sagt, deshalb ausführlicher erzählt, weil er die
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gewesen ist, bei der sie zugleich in die Lage kamen, als Beschützer der
Griechen aufzutreten.

Es entsteht also zuvörderst die Frage, wie kam dieser älteste der
uns vorliegenden Berichterstatter zu seinen Nachrichten. Mit dieser
Frage will ich nicht der wenig förderlichen Neugier nach dem Namen
des Schriftstellers nachgeben, dem Polybios etwa gefolgt sein könnte.
Dieser Name wäre, auch wenn er mit Sicherheit festgestellt werden
könnte, doch nur ein leerer Schall. Wichtiger ist es, zu ermitteln, ob
Polybios seine Darstellung aus der griechischen Überlieferung entnommen
hat, oder ob er seine Kenntnis römischen Schriftstellern und römischer
Tradition verdankt, die ihm seit seinem Aufenthalt in Rom zugänglich
geworden sind.

Diese letzte Annahme ist ausgeschlossen, denn, wie sich aus dem
Folgenden ergeben wird, unterscheidet sich der Bericht des Polybios
in einer Reihe von Einzelheiten von allen den Darstellungen, deren
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