Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 18.1895

Seite: 138
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Siegesdenkmal weihen, die Namen der beiden aitolischen Strategen an-
zubringen. Ans dieser Wendung- des Schicksales zieht denn auch Polybios
in seiner lehrhaften Art den Schluss, dass man keinen hängen solle,
ehe man ihn hat, und die Haut des Bären nicht verkaufen, ehe er er-
legt ist, oder, wie er sich gewählter ausdrückt, pjösTuote ßoDXsosaO'ai rcspl
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Es liegt auf der Hand, dass die Erzählung mit dieser Spitze aus
Kreisen der Gegner der Aitoler stammt, und damit steht ihre Herkunft
ans achäiseher Überlieferung ebenso fest, wie deren Aufnahme in das
Geschiehtswerk des Achäers Polybios begreiflich erscheint.

In dem gleichen Tone geht es aber noch weiter. König Agron
ist nicht wenig stolz darauf, dass er über die hochmüthigen Aitoler
einen Sieg errungen hat, er veranstaltet ein grosses Trinkgelage,8)
erkrankt an einer Rippenfellentzündung und stirbt nach wenigen Tagen.
Nun übernimmt die Königin Teuta, von einein Rathe Getreuer unter-
stützt, die Regierung. Übermüthig durch den errungenen Erfolg und unbe-
kümmert um die auswärtigen Verhältnisse, fasst dieses Weib den Ent-
schlnss, den Illyriern alle fremden Seefahrer zu Plünderung preiszu-
geben. Eine grosse Raubfahrt wird unternommen. Elis und Messenien
werden, wie schon früher, auch diesmal heimgesucht. Auf der Fahrt
dahin landen die Illyrier bei Phoinike in Epeiros und erobern im Ver-
ein mit 800 gallischen Söldnern die Stadt. Die zum Entsatz herbei-
eilenden Epeiroten werden von den vereinigten Galliern und Illyriern,
denen eine zweite illyrische Schar auf dem Landweg zu Hilfe kommt,
vollständig besiegt.

Und nun senden die Epeiroten eine Gesandtschaft an den aitolischen
und achäischen Bund und bitten um Hilfe gegen die Illyrier (Polyb.
II 6, 1). Es kommt jedoch zwischen diesen und den herbeigeeilten
Aitolern und Achäern zu keinem Kampf, da Teuta die Ihrigen eines
Einfalles der Dardaner wegen abberufen hatte und die Epeiroten über-
dies mit den Illyriern bereits einen Waffenstillstand geschlossen hatten.
Mit erbitterten Worten schilt darum Polybios die Epeiroten, dass sie,
statt sich zu wehren und für die geleistete Hilfe sich dankbar zu er-
weisen, gemeinsam mit den Akarnanen sogar ein Bündnis mit Teuta
abgeschlossen hätten (Polyb. II 6, 9—7, 12). Er hält den Epeiroten
besonders die Thorheit vor, dass sie gallisches Söldnergesindel, welches
die Römer aus Italien abgeschafft hatten, als Hüter der demokratischen
Verfassung in Phoinike angestellt hätten. Auch hier spricht aus

s) Über die Unmässigkeit der Illyrier im Trinken hatte auch Theopompos
gehandelt (fr. 41), wir begegnen also auch hierin bei Polybios einer in den Kreisen
der Griechen geläufigen Anschauung.
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