Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 18.1895

Seite: 139
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Polybios der Achäer, und auch in dieser Erzählung- schöpft er aus
achäischer Überlieferung-.

Die Illyrier hatten schon früher, besonders alter seit sie sich in
Phoinike festgesetzt hatten, italische Kaufleute geplündert, getödtet und
zu Gefangenen gemacht. Die Römer hatten sich bisher auf die Klagen hier-
über nicht eingelassen, nun aber schickten sie auf neuerliche Beschwerden
hin Gajus und Lucius Coruncanius als Gesandte an Teuta. Die Königin
der Illyrier, stolz auf die in Phoinike gemachte Beute, liess sich auch
durch den Angriff der Dardaner nicht abhalten und belagerte eben Issa,
das allein von allen griechischen Gemeinden ihr noch Widerstand
leistete.

Dahin kam die römische Gesandtschaft und hielt ihr das begangene
Unrecht vor. Teuta nahm ihre Beschwerden hochmüthig auf und ent-
gegnete schliesslich, sie wolle mit den .Römern gemeinsam beratken
was zu thun sei, die illyrischen Herrscher hätten kein gesetzliches
Mittel, ihr Volk von Angriffen auf die römischen Kaufleute abzuhalten.
Darauf antwortet nun der jüngere der beiden Gesandten mit berech-
tigtem, aber unzeitgemässem Freimuth: Die Börner seien gewohnt,
Unterdrückten zu helfen, und sie würden sich bemühen, das Ansehen
des Königthums beim illyrischen Volke zur Geltung zu bringen. Hierüber
gerieth das thörichte AVeib derart in Zorn, dass sie den kühnen Redner
auf der Heimfahrt tödten liess. Darauf hin beschlossen die Römer den
Krieg und beriefen die Truppen ein. Dieser Theil der Erzählung des
Polybios stammt nach dem früher Bemerkten aus den Berichten der
römischen Gesandten in Griechenland, die nach Beendigung des Krieges
beim achäischen Bunde erschienen; er bildet also einen Theil der offi-
cicllen römischen Darstellung dieser Vorgänge, der durch den achäischen
Bund zur Kenntnis des Polybios gelangt ist.

Teuta schickte nun abermals eine grosse Anzahl von Kaperschiffen
nach Griechenland. Ein Überfall von Epidamnos missglückte, dann er-
schienen die Illyrier vor Korkyra. Die Korkyräer, Apolloniaten und
Epidamnier sandten an den aitolischen und achäischen Bund um Hilfe.
Der achäische Bund allein schickt diesmal zehn Kriegsschiffe ab. Bei
Paxoi treffen die Streitkräfte aufeinander. Eine Einzelheit in der Be-
schreibung dieser Schlacht zeigt uns abermals, dass Polybios seine
Erzählung aus achäischer Quelle geschöpft hat (Polyb. II 10, 3). Vier
Tetreren der Achäer werden von den Illyriern erklettert und erobert,
eine achäische Pentere, auf der sich Markos, der Keryneer, befand, „ein
Mann, der sich um den achäischen Bund sehr verdient gemacht hatte",
wird in den Grund gebohrt, und so kommt auch dieser Treffliche ums

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