Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 18.1895

Seite: 140
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Leben. Der schliessliche Erfolg bleibt den Illyriern, nach kurzem
Widerstand muss sich Korkyra ergeben, die Insel erhält eine illyrische
Besatzung- unter dem Befehl des Demetrios von Pharos. Die Illyrier
kehren dann zur Belagerung von Epidamnos zurück.

Noch während der Belagerung von Korkyra war der eine der
beiden römischen Consuln, Gnaeus Fulvius, mit 200 Kriegsschiffen auf
dem Wege dahin. Er wurde unterwegs durch Demetrios von Pharos
über den Fall der Stadt benachrichtigt, der zugleich den Römern seine
Unterwerfung anbot. Der Consul nahm die Korkyräer und Demetrios
in den Schutz des römischen Volkes und fuhr weiter nach Apollonia,
wo er sich mit dem von Brundusium unter dem Befehl des Aulus
Postumius überschifften Landheer vereinigte. Auch Apollonia trat auf
Seite Poms, und hierauf wurde die Fahrt nach Epidamnos fortgesetzt.
Das Belagerungsheer der Illyrier floh, Epidamnos schloss sich den
Römern an, die nun auch ins Innere des Landes eindrangen und die
Ardiäer unterwarfen. Die Parthiner und die Atintanen traten freiwillig
auf ihre Seite, und nun fuhren die Römer nach Lissa, das die illyrischen
Belagerer ebenfalls preisgaben, worauf sich die Insel den Römern an-
schloss. Im Yorüberfahren wurden noch einige illyrische Städte erobert,
vor Nutria aber verloren die Römer ausser zahlreicher Mannschaft einige
Centurioncn und den Quästor, erbeuteten aber 20 beladene Küstenfahr-
zeuge. Die Belagerer von Lissa flüchteten sich theils nach Pharos zu
Demetrios, theils nach Arbon. Teuta zog sich nach Risano in der Bucht
von Cattaro zurück, Demetrios erhielt die Herrschaft über Illyrien.
Hierauf giengen die Römer nach Epidamnos, wo Postumius mit einem
Theil der Armee im Winterquartier blieb, der andere Consul gieng
nach Rom. Im Frühjahr kamen Gesandte der Teuta, mit denen der
Friede geschlossen wurde. Die Königin musste sich zur Tributzahlung
verstehen, die meisten Orte Illyriens preisgeben, insbesonders den ganzen
südlichen Theil, und zugestehen, dass nie mehr als zwei illyrische
Schiffe und diese nur zu Handelszwecken südwärts von Alessio fahren
würden.

Dieser letzte, die Capitel 11—12 umfassende, den Krieg der
Römer schildernde Abschnitt zeichnet sich durch sehr zahlreiche An-
gaben über Orte und Völkerschaften aus und stammt wiederum im
letzten Ende aus dem Bericht, den die römischen Gesandten vor dem
achäischen Bunde erstattet haben, und ist durch dessen Vermittlung
zur Kenntnis des Polybios gelangt.

Ob der Inhalt dieses Abschnittes (II 2—12) etwa aus Aratos,
Phylarchos oder anderen Gewährsmännern dem Polybios bekannt geworden
ist, oder ob er direct aus dem achäischen Bundesarehiv und aus den
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