Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 18.1895

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Überlieferungen in den Kreisen der Bundesleitung geschöpft hat, scheint
mir gleichgiltig; das Wesentliche ist, dass seine Erzählung nicht direct
aus römischer Überlieferung stammt, sondern dass er die Ereignisse
vom Standpunkt und nach dem Wissen der Griechen darstellt, wobei
allerdings die auf den Krieg der Römer im engeren Sinne bezüglichen
Angaben im letzten Ende, sammt den Friedensbedingungen dem amt-
lichen Berichte der römischen Gesandten in Griechenland entnommen sind.

Aber nicht nur die Griechen, auch die stadtrömische Geschicht-
schreibung musste von diesem Ereignis berichten; in der Annalenliteratur
war der erste illyrische Krieg, zu dem beide Consuln ausgezogen waren,
selbstverständlich ebenfalls nicht bloss verzeichnet9), sondern auch dar-
gestellt. Die auf Livins zurückgehenden Gewährsmänner, die ich früher
angeführt habe, stellen uns diesen Zweig der Überlieferung dar, die im
letzten Ende ebenfalls aus gleichzeitigen Aufzeichnungen stammt. Wir
sind also hier in der günstigen Lage, sowohl von Griechen als von
Römern über die Vorgänge unterrichtet zu sein, die zur Vernichtung
der illyrischen Seeräuberei geführt haben. Die bei Polybios und in den
aus Livius abgeleiteten Quellen vorliegenden Nachrichten sind ferner
von einander unabhängig; erst später bei Dio werden wir beobachten,
dass in dem weiteren Flusse sich die römische Annalentradition mit
der griechischen, bei Polybios vorliegenden Überlieferung vermischt hat.

Von der livianischen Darstellung sind uns nur kurze Notizen
erhalten, aus denen sich als Hauptzüge seiner Erzählung Folgendes
ergibt: Die Körner kündigen unter den Consuln Lucius (bei Polybios
Aulus) Postumius Albinus und Gnaeus Fulvius Centumalus (die Cogno-
mina fehlen bei Polybios) wegen der Ermordung eines ihrer Gesandten
den Illyriern den Krieg an. Diese werden unterworfen, viele Städte
und Könige ergeben sich, der erste Triumph über die Illyrier wird
gefeiert (auch von dem Triumph berichtet Polybios nichts). Diese
Darstellung, die mit der Nennung der Consuln anhebt und mit der
Erwähnung ihres Triumphes schliesst, hat die charakteristischen Merk-
male eines Annalenberiehtes an sich.

Die Phrasen des Florus, dass sich die Illyrier unter der Königin
Teuta nicht mehr mit blossen Plünderungszügen zufrieden gegeben
hätten, sondern sich dadurch eines besonders argen Verbrechens schuldig
machten, dass sie die Beschwerde führenden Gesandten auf Befehl
der Königin zur grösseren Schmach nicht mit dem Schwert, sondern
wie Opferthiere mit dem Beil erschlugen und die Schiffscommandanten
tödteten, dass sie hierauf unter Gn. Fulvius Centimalus bezwungen

°) Er wird auch in den Triumphalfasten erwähnt, die den ersten Sieg über
die Illyrier verzeichnen act. triumph. Capitol. a. 526 CIL I2 p. 47.
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