Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 18.1895

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zurück. Die Söhne des M. Fahrns Ambustus, die Führer der berühmten
dann selber gegen das Völkerrecht sich vergehenden Gesandtschaft vor
Clusium gebärden sich ebenfalls zuerst als die berufenen Verfechter von
Kecht und Billigkeit den gewaltthätigen Galliern gegenüber (Liv. V 36).
Aus den Gallierkriegen sind noch zahlreiche Gesandteumorde überliefert,
die ich ebensowenig aufzahle als die Beispiele, nach denen römische
Gesandte als Vertreter der Grösse und Rechtsordnung des Röinerthums
erscheinen, oder die Beispiele, nach denen sie in diesen Bestrebungen
beschimpft, ausgelacht oder verjagt werden. Ich bemerke nur noch,
dass wie von Teuta so auch von Antiochos ein römischer Gesandter
..ob unum verbum" getödtet wird (Plin. a. a. 0.). Kurz, wir haben es
in der bei Polybios und in der Annalistik vorliegenden Erzählung
durchweg mit Einzelzügen zu tbun, die ebenso häufig aus der Ge-
schichte, wie aus dem sagenhaften Aufputz römischer Gesandtschafts-
berichte sich belegen lassen, und die hier zu einem besonders Avirk-
samen, aber nicht glaubhaften Gesammtbild vereinigt sind.

Mit Rücksicht auf Appians Darstellung bin ich daher der Meinung,
dass die römischen Behörden das freimüthige Auftreten ihres Abge-
sandten vor Teuta und deren grausamen Befehl in dem officiellen Be-
richt über den ersten illyrischen Krieg hinzu erfunden haben. Corunca-
nius ist vielmehr, ehe er noch mit Teuta zusammengetroffen war, von
illyrischen Piraten nebst dem Issaeer Kleemporos getödtet worden.
Die jüngere Annalistik hat dann die Zahl der römischen Opfer noch
um eines vermehrt.

Es erübrigt nun noch die Prüfung der Auszüge, die wir aus Dio
Cassius haben. Auch von Dio steht fest, dass er Polybios gekannt hat,
und er hat ferner anerkanntermassen vielfach grössere Abschnitte aus
Livius entnommen (Baumgartner, Ü. d. Quellen des Cassius Dio für
die ältere rinn. Gesell., Tübingen 1880). Auf Anklänge an Polybios'
Erzählung in dem uns beschäftigenden Abschnitt des Dio hat mit Kecht
bereits Zippel (a. a. 0. S. 50) aufmerksam gemacht. Der Charakter der
Teuta ist bei beiden Schriftstellern gleich geschildert, die Ursache des Ge-
sandtenmordes ist bei beiden: ot< l7cappTrjaidaavco und Polybios sowie
Dio (bei Zonaras) führen die Erzählung des Krieges gleichmässig bis
zur Erwähnung der von den Griechen erwiesenen Ehren fort. Die
scheinbare Übereinstimmung mit der livianischen Überlieferung (bei
Florus und Orosius) dagegen, insofern auch nach Dio mehrere römische
Gesandte getödtet werden, wird sich als eine Combination aus Polybios
und der Quelle Appians erweisen. Livius gehört daher nicht zu den
Quellen dieses Abschnittes des Dio Cassius. Endlich enthält aber sein
Bericht noch Einiges, was aus Appian belegt werden kann.
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