Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 18.1895

Seite: 146
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Aus dem Fragment, das die byzantinischen Excerptoren in dem
28. Buche ihrer Sammlung- unter dem Titel Tcspl Trpeaßecov Ttöjxatwv -poq
l&vaoos aufbewahrt haben, und aus Zonaras lässt sich Dios Darstellung
folgendermassen herstellen: Die Bewohner von Lissa suchen bei den
Römern vor den Angriffen der Illyrier Zuflucht (dies hat auch Appian).
Um der Issaeer willen, und da auch gegen die Ardiäer, die die römi-
schen von Brundusium ausfahrenden Kaufleute schädigen, etwas unter-
nommen werden soll, schicken die Börner eine Gesandtschaft an Agron
(Appian). Die Gesandten finden den König nicht mehr am Leben,
sondern Teuta, die Stiefmutter des unmündigen Pinnes, ist an dessen
Stelle Königin der Ardiäer. Das hochmüthige Weib — hier wiederholen
sich Wendungen aus Polvbios — lässt einige der Gesandten ihres Frei-
muthes wegen gefangennehmen, andere tödten. Bald ereilt sie die
Strafe und sinkt ihr Muth, als die Börner den Krieg beschliessen. Sie
verspricht nun erschreckt, die Gefangenen auszuliefern, und behauptet,
Räuber hätten die von ihr Hingerichteten getödtet. Als die Börner
daraufhin den Krieg aufschoben und die Auslieferung der Mörder ver-
langten, weigerte sich die Königin dies zu thun und griff Lissa an.
Darauf erscheint das römische Heer, und nun verlässt sie abermals der
Muth, und sie erklärt sich zu allem bereit. Da nun alter die Flotte der
Römer nach Korkyra fährt, schickt Teuta ein Heer zum Angriff von
Epidamnos und Apollonia ab. Die Börner aber befreien beide Städte,
und nun ist Teuta abermals zur Unterwürfigkeit geneigt. Doch
erleiden die Römer kurz vor Winteranfang beim 'Axopios Xöcpo? eine
Schlappe, und nun zögert Teuta abermals in der Erwartung, die
Börner würden abziehen. Endlich, als sie erfährt, dass Bostumius im
Lande bleibt und dass Demetrios von Pharos zu den Römern über-
gegangen ist, gibt sie aus Furcht ihre Herrschaft auf. Aus Zonaras
ergibt sich noch, dass Dio im Anschlüsse hieran den Friedensschluss
mit Teuta und die Ehrungen der Börner in Griechenland erzählt hat.

Wie aus demselben Zonaras hervorgeht, hat der byzantinische
Exeerptor, dem wir das Dio-Fragment in der eben wiedergegebenen
Form verdanken, das Schwanken der Teuta zwischen Furcht und Über-
muth übertrieben und stärker betont. Allein die damit zusammenhän-
gende irrthümliche Verschiebung des Angriffes der Teuta auf Apollonia
und Epidamnos an das Ende des Krieges hat auch bei Dio schon
stattgefunden, wie ebenfalls Zonaras ergibt. Der Zweck dieser Ver-
schiebung ist deutlich, es soll dadurch abermals ein Beispiel für den
fortwährenden Stimmungswechsel der Königin gewonnen werden. Auf
diesen Grundton war also auch die Darstellung des Dio schon ge-
stimmt.
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