Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 18.1895

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eine Niederlage, mehrere Centurionen und ein Quästor fielen; es gelang
ihnen hier nur 20 beladene Küstenfahrzeuge zu erheuten. Teuta zog
sieh nun in die Bucht von Cattaro zurück, wo sie von den Römern
unbehelligt blieb. Diese bestellten Demetrios auf Lesina und in den
übrigen eroberten Gebieten als Clientelkönig unter ihrer Oberhoheit.
Der grossere Theil des Heeres und der Flotte kehrte im Spätherbst
nach Rom zurück, Postumius mit 40 Schiffen überwinterte in Epidamnos.
Im Frühjahr 229 schickte Teuta, deren Reich überdies von den Dar-
danern angegriffen worden war, eine Gesandtschaft nach Epidamnos
und von dort wahrscheinlich auch nach Rom. Sie bot die Auslieferung
aller Gefangenen und Überläufer an und erhielt den Frieden unter der
Bedingung, das Reich des Demetrios von Pharos anzuerkennen und mit
nicht mehr als zwei Schiffen, und zwar ausschliesslich zu Handels-
zwecken, südwärts über Lissos an der Drinmündung hinaus zu fahren.

Ein abermaliger Aufschwung der griechischen Ansiedelung auf Lissa
ist durch dieses Eingreifen der Römer eingetreten. Die Issaeer haben
nunmehr auch auf das gegenüberliegende Festland hinübergegriffen;
noch vor der Thronbesteigung des Genthios, ca. 200 v. Chr., erscheinen
sie im Besitz der beiden Städte Tragurion und Epetion auf der terra
ferma, von denen die erste von Lissa aus gegründet worden ist (Polyb.
XXXII 18, Strab. VII 315). Dennoch sind die Reste griechischer
Colonisten, da kein Nachschub aus der Heimat mehr stattfand, bald in
die zahlreichen italischen Niederlassungen aufgegangen, die nunmehr
auf den Inseln und an der Küste Dalmatien entstanden.16) Die Griechen
hatten in vereinzelten, mit unzureichender Kraft unternommenen und
daher fruchtlosen Vorstössen hier festen Fuss zu fassen gesucht. Rom
hingegen verfügte über die Mittel und machte davon auch wiederholt
nachdrücklichen Gebrauch, die Ansiedler vor den kriegerischen
Stämmen des Binnenlandes zu schützen. Die Römer sind gleich das
erstemal in der Adria zugunsten ihres Handels und der dortigen Griechen
mit ihrer ganzen sehr starken Kriegsmacht eingeschritten. Grosse Kämpfe
haben in dem ersten illyrischen Kriege zwar nicht stattgefunden, gleich-
wohl ist ein ganzer und nachhaltiger Erfolg erzielt worden. Dies Auf-
treten Roms ist ein Zeugnis der selbstbewussten, grossartig angelegten

1G) Jüngere griechische Inschriften von den dalmatinischen Inseln und Küsten
besitzen wir allerdings, auch solche aus der Kaiserzeit; sie setzen aber keineswegs
das Vorhandensein griechischer oder auch nur vorwiegend griechischer Gemeinden
voraus. Die griechische Inschrift aus Lissa übrigens, die Bulic im Bullet. Dahn. XV 132,
ihres Scbriftcharakters wegen der Zeit des Augustus zuschreibt, gehört der Form
oToaTaycöv wegen noch dem 4. Jahrhdt. v. Chr. an; die Namen, die sie bietet, sprechen
nicht gegen diesen Ansatz.
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