Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 18.1895

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und umsichtigen Führung der äusseren Politik — wir würden dies
Colonialpolitik nennen — durch den Senat, von der wir im Zeitalter
der punischen Kriege so viele Beispiele kennen. Sie hat des Aufputzes
durch die romantische Erzählung von dem freimüthigen Coruncanius
nicht bedurft, der als unerschrockener Vertreter der römischen Cultur-
sendung der Barbarenkönigin entgegentritt und angeblich darum auf
ihren Befehl getödtet wird. Der erste illyrische Krieg der Römer ist
auch ohne diese offizielle Verbrämung eines dauernden ruhmreichen An-
denkens sicher.

Seine Folgen reichen bis ins Ende der römischen Kaiserzeit. Vom
Jahre 229 v. Chr. angefangen bis auf Augustus' Kämpfe in IUyrien ist die
ganze dalmatinische Küste nach wiederholten Kriegen allmählich römischer
Besitz geworden; während der Regierung des Tiberius ist nach der
glücklichen Bezwingung des dalmatisch-pannonischen Aufstandes in den
Jahren 0—9 n. Chr. auch deren Hinterland durch Strässenbauten, die
über die dinarischen Alpen hinüberführten, trotz aller Schwierigkeiten
der römischen Cultur zugänglich geworden, wie die täglich sich mehren-
den Funde und die Reste römischer Strassen in Bosnien und der Her-
zegowina lehren. Die in lllyrien und Pannonien ausgehobenen Truppen
haben nächst den Rheinlegionen bald den grössten Einfluss auf die Be-
setzung des Kaiserthrones gewonnen. Das Übergewicht gerade der
Illyrier in der römischen Reichsarmee datiert schon aus der Zeit Hadrians.
Seit Septimiiis Severus bildeten sie den stärksten Bestandtheil der Garde-
truppen in Rom. Durch die Rangeserhöhung der Centurionen, die der-
selbe Kaiser verfügte, ist zahlreichen, von der Pike auf dienenden Illy-
riern der Eintritt in die ritterliche Ämterfolge ermöglicht worden. In
den Zeiten allgemeinen Wirrsals im Reiche sind dann die ersten unter
ihnen von den Truppen, bei denen sie als Officiere befehligten, zu Kaisern
ausgerufen worden; doch währte ihre Herrschaft nicht lange. Erst der
Sohn eines dalmatinischen Freigelassenen, der sich als Kaiser Diocletia-
nus nannte, hat dauernd den Thron inne gehabt und dem römischen
Weltreich eine neue Ordnung gegeben.

Graz.

ADORF BAUER.
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