Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 18.1895

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bekannten Lehren auch zwischen den Zeilen dieser historischen Schrift
gelesen haben wird. Manche Forscher neigen zu der Ansicht, dass die
Abfassung- der Politie mitten in die Zeit der Abfassung- der Politik
fällt, so dass einzelne Partien der Politik älter, andere jünger wären
als die Schrift von der athenischen Verfassung. Mag dies richtig sein
oder nicht, als sicher kann man annehmen, dass manche Studien des
Aristoteles in gleicher Weise für die beiden Schriften verwertet werden
sollten. Man wird z. B. die Geschichte von der Bereicherung Einzelner
durch Grundaufkaufung unmittelbar vor der Seisachthie, die im
VI. Capitel der Politie erzählt wird, vielleicht denselben Collectaneen
des Philosophen über finanzielle Kunststücke entstammen lassen, aus
denen am Schlüsse des zweiten Buches der Politik mehrere Geschichten
von künstlichen Preissteigerungen durch Monopolisierung, darunter die
bekannte Erzählung von Thaies, geschöpft sind.

Die Schrift von der athenischen Verfassung hat nicht alle Hoff-
nungen erfüllt, die bei ihrer Auffindung an sie geknüpft wurden; dass
sie aber Geist vom Geiste des Aristoteles ist, sollte man nicht mehr
leugnen.

Wien.

EMIL SZAXTO.
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