Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 18.1895

Seite: 169
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Funde von Carniintum.

I. Das dritte Mithraeum1).

Im August 1894 wurden am Westende von Petronell, anstossend
an den „Hintaus-Kied", wo das Jahr vorher Mosaiken gefunden wurden,
im Hofe des Johann Suttner Grundmauern eines Gebäudes entdeckt,
das sieh als ein Mithraeum auswies. Es ist also unter den daselbst
gefundenen Heiligthümern dieser Art das dritte, wenn man dasjenige
vom Steinbruche ..Am Stein-' bei Deutsch-Altenburg als erstes, das
von der Pfaffenbrunnwiese bei Petronell (das mit einem Dolichenum
verbunden ist; s. diese Zeitschrift XVI, S. 176 ff.) als zweites bezeichnet.
Leider geschah die Aufdeckung der Reste hier nicht in methodischer
Ausgrabung, sondern es war ein Zufallsfund, bei dem anfangs keine
genaueren Beobachtungen angestellt wurden. Indes ordnete Herr
Architekt Dell, als er von dem Funde erfuhr, die methodische Fort-
führung der Ausgrabung an und leitete und beaufsichtigte dieselbe, so
dass er in der Lage war, alles Wesentliche vor der Zusehüttung aufzu-
nehmen und das Ganze planmässig zu fixieren. Alle Fundgegenstände
hat Herr Gutsbesitzer Karl Hollitzer in dankenswerter Weise erworben,
herrichten und in dem von ihm dem Vereine zur Verfügung gestellten
Museum aufstellen lassen.

A. Architektonisches.

■ Situations- und Fundplan vom Architekt Dell (im Maassstabe von
1 : 250) Figur AI S. 171, überhebt uns der Aufgabe, eine längere Be-
schreibung des Heiligthums nach Lage, Grösse und gegenwärtiger
Beschaffenheit des Grundrisses zu geben, und wir können uns sogleich
der Betrachtung von Einzelheiten zuwenden, die an diesem Mithraeum
besonders wichtig und interessant sind.

1 Der folgende Bericht ist von Dr. W. Reichel auf Grund der Beobachtungen
und Aufzeichnungen von Carl Tragau mit Verwertung einiger Notizen des

Architekten Jos. Dell abgefasst worden.

Archäologi.sch-epigrapUisehe Mittheilungen XVIII, 2.

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