Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 18.1895

Seite: 172
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Cella angebracht gewesen sein; denn das eine der Verputzstücke,
welches Abdrücke der Enden der Flechtstäbe aufweist, stammt vom
Übergange der Wand zur Wölbung, der durch eine horizontale rothe
Borde markiert ist.

Vom Pronaos des III. Mithraeums ist nur wenig mehr erhalten,
da er 1*14 m höher als die Cella und dicht unter der Erdoberfläche
lag. Derselbe bestand hier aus zwei Räumen. Der erste, von aussen
zu betretende, hat eine Grösse von 8*50 m im Quadrat; der zweite
— den Prof. Gr. Wolff ,.Quergang" nennt —ist 8"50 m lang und 3-50 m
breit. Schwellen und Stufen wurden nicht entdeckt, da meist nur die
Fündamentmauern erhalten waren.

Aus dem Quergang stieg man wahrscheinlich über eine Treppe
in die Cella. In dieser ist der Raum vor den Podiumstirnen ungewöhn-
lich gross (fast gleich dem des ersten Pronaos). Vielleicht sollte damit
eine spätere Verlängerung der Podien für eine vergrösserte Gemeinde
ermöglicht werden, wie es z. B. im Mithraeum von Spoleto geschehen
zu sein scheint (vergl. F. Cumont „textes et monum. fig. relatifs aux
mysteres de Mithra" Fig. 98). [Doch vergleiche den Anhang S. 198 f.] Im
Ganzen entspricht der Grundriss unseres III. wie des II. Mithraeums dem-
jenigen, wie ihn G. Wolff ( Westdeutsche Zeitschrift XIII S. 37 ff.) als
typisch entwarf.

Die Brustmauern der Podien scheinen etwas länger gewesen zu
sein als die Podien selbst. Ein Rest von graugelblich bemaltem Stuck,
der am Anfang der inneren Fläche der linken Brüstungsmauer haftete,
lässt mit ziemlicher Sicherheit darauf schliessen.

Von den zur Ersteigung der Podien nöthigen Stufen war nichts
mehr vorhanden, über ihre Länge und Richtung gegen die Podien ist
also nichts auszusagen. Die Bankette selbst erstreckten sich in einer
Länge von 15 m bei einer Breite von L50—L90 m. Die in diese
Maasse einbezogenen Brüstungsmauern bestehen aus Bruchstein von
horizontalen Ziegellagen durchschnitten, sind 32 — 35 cm dick, 60 an
hoch und sehr schlecht erhalten. An ihrer Stirne bilden die Brüstungs-
mauern Kniec, die den Eingang in den vertieften Mittelraum der Cella
verengten und wahrscheinlich den Fackelträgerreliefs als Sockel dienten.
Diese Kniee scheinen beiderseits in verschiedener Länge vorgesprungen
zu sein: das linke etwa 1 m, das rechte circa 0*78 m. Tragau ver-
muthet, dass diese Mauervorsprünge sich rückwärts an je einen starken
mit Kalkputz verkleideten Holz pf eil er lehnten, die als Träger der
Dachconstruction hier aufgestellt waren. Zu solcher Annahme veranlassen
ihn folgende Gründe:
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