Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 18.1895

Seite: 173
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1. Ist in den Kniewinkeln, welche die Stirnmauern mit den Podium?
brustmauern bilden, die gemauerte Fundierung für einen solchen Pfeiler
sowohl rechts als links in einer Höhe von etwa 50 cm erhalten. Diese
Fundierung ohne Ziegeldurchsclmss unterscheidet sich deutlich durch
grösseres Volumen und bessere Schichtung der Steine von der Mauerung
der sie auf zwei Seiten umfassenden Brüstungen. Mit Stein mussten die
Pfeiler fundiert werden um sie den Einflüssen der Erdfeuchtigkeit zu
entziehen.

2. Ist die Platte des Hochreliefs der Cautesfigur an den Schmal-
seiten rechts und links geglättet, an der Rückseite dagegen nur roh
behauen, was darauf schliessen lässt, dass diese irgendwie verdeckt
war. Nun wurde durch G. Wolfis Untersuchungen als typisch festgestellt,
(Westd. Z. XIII S. 59), dass in denjenigen Mithraeen, die zwischen
Thüre und Podien einen Quergang haben, die Dadophoren rechts und
links an oder über den Podiumstirnen so angebracht sind, dass sie dem
Eintretenden gegenüber stehen. Die den Fackelträgern zugehörigen Altäre
können sowohl vor den Figuren als seitlich von ihnen, im Eingang in den
nur für die Priester betretbaren Mittelraum der Cella, aufgestellt sein.
Letzteres zeigte sich in den Mithraeen von Heddernheim, Aquincum, Ostia,
Spoleto u. s. w. Aber auch in unserm Heiligthum wurden diese Altäre
an dieser Stelle, und zwar beide in situ, gefunden. Dadurch wurden
nicht nur die oben erwähnten Kniee der Brüstungsmauern als Sockel
für die Fackelträgerreliefs bestimmt, sondern es folgt auch, dass die
Stützen, an die letztere mit ihren Kückseiten gelehnt, beziehungsweise
befestigt waren, eben hier hinter den Sockelmäuerchen, also als Pfeiler,
gestanden haben müssen. Thatsächlich wurden die noch vorhandenen
Bruchstücke der beiden Beliefs in Lagen gefunden, die sich mit solchen
Umständen gut vereinigen. Das Hauptstück des Cautesrelicfs, nämlich
ein grosser Theil des Körpers mit der Grundplatte, steckte in der Höhe
des rechten Podiums in einer Linie mit deren Stirnmauern schräg
in der Erde. Zwischen der Platte und der aufgehenden Umfassungs-
mauer des Baues zog sich eine Schichte Humus durch den Schutt,
den man als den mit der Platte niedergestürzten verwesten Holzbalken
ansehen darf. Der Kopf des Cautes lag in der Nähe. Die Beste des
Cautopatesreliefs — Theil der Basis mit linkem Fuss und der nieder-
gehaltenen Fackel sammt der sie haltenden Hand und der Kopf —
fanden sich hinter dem linken Sockelmäuerchen im Mittelraum, also
wahrscheinlich ebenfalls in der Lage, in die sie der stürzende Stütz-
balken brachte.

3. Endlich finden die bisher vorgebrachten Schlüsse eine erfreu-
liche Bestätigung in einer Analogie, die das III. Mithraeum von Heddern-
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