Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 18.1895

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beim aufweist. Hier erkannte man aus zweifellosen Spuren, dass gleich-
artige Holzpfeiler, wie wir sie für unseren Fall annehmen, in der
Stärke von 27 cm in der Podiumbrüstung beiderseits verdübelt waren.
Sie haben auch hier als Deckenstützen gedient.

Der Fussboden des Heiligthums ist durchgängig gestampfte Erde.
Bemerkenswert ist jedoch, dass derselbe in dem Mittelraum zwischen
den Banketten nicht wagrecht verläuft, sondern sich von den Dadophoren-
altären aus bis zum Sockel des grossen Cultbildes an der Ccllarückwand
stetig senkt; und zwar beträgt der Abfall 28 cm. Auch diese Erschei-
nung findet anderwärts eine Analogie (vgl. Mithraeum von Friedberg,
Cumont 1. c. 248, Fig. 227).

Nahe der Ecke, welche die rechte Podiummauer mit dem Sockel
des grossen Beliefs bildet, war an letzteren eine Art gemauerten
Tisches (beiläufig wie in Aquincum und San demente) angebaut. Er
ist etwa 1*25 m breit, O50 m tief, in ziemlich sorgfältigen Ziegel-
sebichten ausgeführt, aber nur schlecht erhalten und des einstigen Ver-
putzes durchaus entblösst. Er diente möglicherweise zur Aufstellung der
sieben Leuchter vor dem Cultbilde.

Mehrere Arten für Stuccobewurf geriefter Ziegel, viele gross-
köpfige Nägel zur Befestigung derselben an der Wand (vgl. Cap. C);
mannigfache Beste von Bemalung, nicht nur an den Sculpturen und
Inschriften (vgl. Cap. B), sondern auch an den erhaltenen Stücken des
Wandbewurfs; bezeugen vielfältige Verwendung von Farbenschmuck in
dem Heiligthume. Danach waren die Wände vielleicht in Felder von
rechteckiger oder quadrater Form getheilt, die innerhalb einer weissen
Umrahmung oder in Marmorimitation gelb mit rothen Adern ausgemalt
waren. In der effectvoll berechneten Beleuchtung, die sich auf den
Mittelraum concentrierte, während die Gläubigen auf den Banketten
beiderseits im Dunkel knieten (Cumont „notes sur im temple mithr.
d'Ostie" S. 19), mag das Ganze das Bild einer reich decorierten Grotten-
wohnung von feurig warmem Tone erweckt haben.

In der Mitte vor der Brustmauer des linken Podiums lagen zwei
Inschriftsteine übereinander (Fig. A 1). An beiden Steinen haften ringsum
Mörtelreste, sie waren also eingemauert. Die Umrahmung des einen ist
in einfachem Profil in den Stein gemeiselt, die des zweiten ist in Farbe
hergestellt, roth mit ansa. Der erstgenannte Block ist 055 m hoch,
0*65 m breit und 035 m dick. Er trägt die Inschrift:

ü. Jul(ius). Pro-
pin qus
pariete(m)
ex voto
5 fcc(it).
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