Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 18.1895

Seite: 175
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Der zweite Stein ist 0"43 m hoch, 0'83 m breit und 0*16 m dick:

C. Jul(im) Propin-
qms pariete(m)
ex voto
impensa sua
5 [feci]t.

Was unter dem „paries" gemeint sei, ist nicht ohneweiters ein-
leuchtend. Am nächsten liegt anzunehmen, dass die Podienmauern zu
verstehen seien, deren Errichtung- Propinquos auf seine Kosten besorgte.
Die beiden Steine könnten dann je rechts und links in den Briistungs-
mauern der Bankette eingelassen gewesen sein. Ihre eigenthiimliche
Lage aufeinander Hesse sich auf mannigfache "Weise erklären. Es
scheint ziemlich sicher, dass das Heiligthum nicht von selbst verfiel,
sondern irgend einmal gewaltsam zerstört wurde. Dafür spricht der
Zustand der Sculpturen bei ihrer Auftindung (s. Cap. B), die aller
Metallbestandtheile, womit sie geziert oder an ihrem Ort befestigt
waren, durchgehend beraubt sind. Möglich, dass man auch jene beiden
Inschriftsteine ausriss, in der Erwartung, Metalldübel an ihnen zu linden.
Derlei gibt es an ihnen nicht, sie sind jedoch sorgfältig zugehauen,
und so legte man sie vielleicht zusammen, um sie als brauchbare Bau-
steine wegzuführen, und vergass sie dann.

B. Sculpturen.

Unter den in mehrfacher Hinsicht interessanten Sculpturen des
III. Mithraeums ragen zwei besonders hervor: das Cultbild und der
Hauptaltar. Sie zeichnen sich nicht nur unter den Funden von Car-
nuntum, sondern unter den bisher bekannten ihrer Gattung überhaupt
aus, durch Grösse sowohl als künstlerische Eigenart. Das vielfältig-
Neue, das sie bieten, erregte von Anfang an das thätige Interesse ein-
heimischer sowohl als ausländischer Gelehrten. Insbesondere hatte
Prof. C uinont, dessen grundlegende Arbeiten der Erkenntnis auch hier
allenthalben zu statten kamen, die Güte, eine Keihe von Notizen beizu-
steuern, die im folgenden mit den Resultaten der Bemühungen anderer,
namentlich C. Tragaus, dessen Eifer viele sachliche Beobachtungen
verdankt werden, Verwendung finden dürfen.

Das Cultbild erhob sich an der Rückwand der Cella auf einem Cultbild.
gemauerten Sockel, der sich beiderseits an die Brüstungsmauern der
Bankette anschloss, aber vielleicht etwas höher war als diese. Wie die
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