Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 18.1895

Seite: 176
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erhaltenen Bruchstücke lehren, war das Relief aus vier ziemlich gleich
grossen Blöcken Margarethener Sandstein von etwa 1-20 m Höhe,
1*80 m Länge und 0*40—0*50 m Dicke zusammengesetzt, so dass es
eine Ausdehnung von circa 2-40 : 3-60 m besass. Soweit sich das fest-
stellen lässt, hatten die Steine an den Stossflächen Sägeschnitt, und
ihre gebuckelte Rückseite erhielt einen rahmenartigen Randschlag. Wie
die vier Steine unter einander verbunden waren, ist nicht mehr zu
ersehen; dagegen weisen die nachlässig bearbeiteten äusseren Seiten-
flächen eine Menge Einarbeitungen von verschiedener Ausdehnung für
Klammern und Haken auf, wodurch die Verbindung der Steine mit der
Wand hinter ihnen hergestellt wurde. Dass das Relief in die Mauer
selbst eingebettet gewesen wäre, ist bei der geringen Stärke der letzteren
wohl ausgeschlossen; ebensowenig aber dürfte es, wie das anderwärts
vorkommt, von einem Balkenrahmen umschlossen gewesen sein, da sonst
seine Ausseuränder kaum einen so unregelmässigen Verlauf zeigen
könnten. Wahrscheinlich wurde die Ausgleichung der Randlinien und
zugleich die Verdeckung der Befestigungsvorrichtungen durch einen
Kalkverputz von dreieckigem Querschnitt hergestellt, der das Bildwerk
direct aus der Mauer vorwachsend erscheinen liess. Ein derartiges, an
der Oberfläche roth bemaltes Verputzstück wurde im Schutt gefunden;
dagegen nichts von dem Metallverbande, der wohl bei der Zerstörung
des Heiligthums gewaltsam ausgebrochen wurde, wonach die Relief-
blöcke zu Boden stürzten.

Leider wurden durch die Ausgrabung nicht alle Bestandteile des
einstigen Ganzen zutage gefördert. Wie Tafel B1 zeigt, ist es im
Wesentlichen die obere Hälfte, die erhalten blieb. Sie hatte beim Sturze
in den Mittelraum der Cella den Hauptaltar getroffen und beschädigt
und war dann vor demselben, mit der Bildseite nach oben, liegen
geblieben. Der tief unterarbeitete Kopf des Mithras brach bei dieser
Gelegenheit ab, und flog ein Stück weiter nach vorwärts. Von der
unteren Partie des Werkes wurden nur ein grösseres und etwa ein
Dutzend kleinerer Stücke entdeckt. Es scheint aber nicht ausgeschlossen^,
dass noch weiteres ausserhalb des Heiligthums, jenseits der Cella-
rückwand, zu linden wäre. Die Ausgrabung wTurde an dieser Stelle
durch das Terrain occupierende Bäume gehindert.

Am meisten erhalten ist von der rechten oberen Platte; sie allein
vermittelt eine genügende Anschauung von dem Kunstwerte der Arbeit^
der den gegebenen Umständen nach nicht gering genannt werden kann..
Anlage und Ausführung zeigen einen flotten frischen Zug und verrathen
eine nicht gewöhnliche Geschicklichkeit, aber auch eine gute Tradition.
Rein vom stilistischen Standpunkte würde man auf ein Werk etwa der
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