Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 18.1895

Seite: 182
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erblickt man auf dem Hufe einen kurzen cylinderförmigen Ansatz: das
muss die Spitze vom Schwänze des Hundes sein, der regelmässig in
diesen Darstellungen längs der Brust des niedergebrochenen Stieres
emporspringt. Von dem Hunde ist sonst nichts erhalten, aber in die
Bruchlinie, die parallel mit dem Hufe links verläuft, lässt er sich ohne
Schwierigkeit einzeichnen. Das Mittelstück seines Schwanzes war frei
gearbeitet. — Zweitens beachte man die Bruchstelle, die einige Centi-
meter unter dem Hufe, senkrecht zu der eben erwähnten, hinzieht. Bis
zu ihrer oberen Begrenzung wölbt sich der Reliefgrund leise vor; das
abgeschlagene Stück trat also jedenfalls leistenartig über denselben vor,
und diese Leiste bildet den unteren Abschluss des Reliefs. Damit ist
sichergestellt, dass unser Bruchstück die rechte untere Ecke der unteren
rechten Reliefplatte darstellt. Dies wird noch durch die Mittheilungen
von Dell bestätigt, wonach das Stück fast in situ gefunden wurde.

Von den kleineren Fragmenten lassen sich nur wenige heute noch
an die gehörige Stelle setzen; sie wurden daher meist in die Recon-
structionsskizze, Tafel B 2 (S. 181) nicht aufgenommen, doch versuchte
Tralau auf Taf. B 1 sie mit wenigstens annähernder Wahrscheinlichkeit
unterzubringen.

Ohneweiters bestimmbar bezüglich ihres einstigen Platzes sind nur
noch vier Stückchen, die demgemäss eingefügt wurden:

Eine Art Felsenformation, darauf die Reste von zwei mensch-
lichen, gekreuzt gestellten Füssen, die beschuht scheinen. Sie rJihren
von der Figur des Cautopates her, stammen daher von der linken
unteren Platte. Von derselben Gestalt ist ein Fragment der gesenkten
Fackel mit der Flamme erhalten. Wahrscheinlich ebenfalls zum Cauto-
pates gehören ein Stück bekleideten Unterkörpers, vermuthlich aus der
Hüftgegend, und ein Theil eines Armes mit dem Ellenbogen.

Einige andere Fragmente erscheinen vorläufig ganz unbestimmbar.

Merkwürdig ist das isolierte Stückchen eines kleinen Kraters mit
kurzem Fuss und Hals und geschwungenem Bauch. C. Tragau setzte
ihn in der Reconstruction unter den Bauch des Stieres, wo auf den
Mithras-Darstellungen thatsächlich häufig ein solches Gefäss angebracht
ist (Westd. Z. XIII S. 78). Aus gleichem Grunde verband er mit ihm die
Figuren eines Löwen und einer Schlange. Es ist nicht ausgeschlossen,
dass gewisse verstossene Erhöhungen über der Mündung und dem
Bauche der Vase von jenen mit ihr verbunden gewesenen Thieren her-
rühren. Auch Prof. Cumont ist geneigt, diese Gruppe an der bezeichneten
Stelle für möglich zu halten, trotz der auffallenden Kleinheit des
Gefässes, und obgleich er nicht verhehlt, dass die Gruppe zwar auf
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