Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 18.1895

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nur roh behauen. Es wurde in Stücke gebrochen gefunden, ist aber
im übrigen, von geringen Beschädigungen abgesehen, ganz erhalten,
bis auf die rechte Hand des Mithras. Der Gott hebt die Hände geballt
empor und trug in ihnen, wie anderwärts, Fackel und Dolch, die, nach
den Bohrlöchern in den Fäusten zu schliessen, besonders eingesetzt
waren; vielleicht aus Metall.

Das Werk ist bis jetzt das beste seiner Art (vgl. Majonica arch.
epigr. Mittheil. II, 33; Westd. Z. XIII, S. 87) und war möglicher-
weise links vom Hauptaltare aufgestellt, ähnlich Avie das von Spoleto-

Rechts vom Eingang in den schmalen Mittelraum der Cella stand
die Rundfigur eines liegenden Löwen i Fig. B 9) auf einer Erdaufschüttung,

Fig. B 9. Löwe mit Eindskopf.

die vielleicht mit Ziegeln und Putz verkleidet war. Die Figur ist sammt
der (MO m dicken Plinthe 0-60 m hoch, lvlO m lang und 0*50 m tief.
Der Löwe, wie Fig. B 9 (A 2) zeigt, von ziemlich schematischer Arbeit, liegt
nach links gewendet und dreht den Kopf mit geöffnetem Rachen nach
vorne. Zwischen den Vorderpranken hält er einen Rindskopf. Gleich
den Löwen vom Eingange des Kroisbacher Mithraeums (Cumont, textes
et mon. Nr. 223 d, vgl. 227 h), war auch dieser ockergelb bemalt;
Zunge und Lippen zeigen Spuren von roth. Dem Materiale nach kann
das Stück von Kroisbach stammen. Die als Grabdenkmal häufig ver-
wendete Gruppe des den Rindskopf packenden Löwen war bisher noch
in keinem Mithraeum nachzuweisen.
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