Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 18.1895

Seite: 197
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Die jovisehen Kaiser sind Diocletian und seine (Adoptiv)-Söhne,
die herculischen Maximian und dessen (Adoptiv)-Söhne oder Enkel. Es
haben also, wie längst erkannt ist, als im J. 307 in Carnuntum der
Kaisercongress stattfand, zu dem sich die bereits zurückgetretenen
älteren Kaiser Diocletian und Maximian eingefunden hatten, die hier
vereinigten Augusti, ausser den Genannten noch Galerius Maximianus
und der neuernannte Licinius, zugleich im Namen der abwesenden
Caesaren, Maximinus und Constantinus, ein Heiligthum des Mithras, den
sie den Beschützer ihrer Herrschaft nennen, wiederhergestellt.

Die Eückseite ist rauh, von den Nebenseiten trägt die linke die
Gestalt des Cautes mit erhobener Fackel in der rechten, drei Ähren in
der gesenkten linken Hand, die rechte den Cautopates mit gesenkter
Fackel. Dass die Gestalten den Kaum wenig ausfüllen, lag wohl an dem
Wunsche, die erhobene Fackel (des Cautes) vollständig- darzustellen.
Die Oberfläche hat eine viereckige, für die Plinthe eines Anathems
bestimmte Vertiefung, auf deren Grunde ringsum eine vertiefte Eille
verläuft. Auf der oberen Fläche der Vorder wand ist an beiden Ecken
ein Loch und in der Entfernung von etwa O'lSm ein zweites, so dass
die inneren Löcher etwa 0-18 w, von einander entfernt sind; von der
Hinterwand, die entsprechende Löcher gehabt haben kann, fehlt der
obere Theil. Was oben gestanden haben mag, ist mir nicht klar.

An wrelcher Stelle des Heiligthums sich die Basis befand, ist kaum
sicher zu ermitteln, indes ist wohl wahrscheinlich, dass sie als Denkmal
kaiserlicher Frömmigkeit und Freigebigkeit an einer möglichst zugäng-
lichen Stelle stand, also eher in oder vor dem überirdischen BronaoS'
als in oder vor der unterirdischen Cella. Überdies würde bei der fast
bei allen künstlichen Mithraeen befolgten Einrichtung, vor der Cella kaum
Platz für die Aufstellung einer solchen Basis g-ewesen sein. Das erste
Mithraeum von Carnuntum, das im J. 1853 bei Deutsch-Altenburg am
Stein entdeckt wurde, ist auch wiederhergestellt worden und die Er-
innerung daran in dem Altar verewigt, der jetzt wie die übrigen Altäre
desselben im Hofmuseum neben dem nnsrigen steht.1) Aber das Deutsch-
Altenburger Heiligthum bestand aus einer erweiterten Grotte, die in
Petronell schon der Bodengestaltung wegen nicht anzunehmen ist; es
bietet daher auch für die Stelle der Denkmäler keine Analogie.

Als im Hofe des Sutter das stattliche Mithraeum zum Vorschein
gekommen war, habe ich in einer in den Tagesblättern abgedruckten Mit-
teilung den nahe liegenden Gedanken ausgesprochen, dass dasselbe

*) Die Lesung dieses Altars hat bis jetzt noch nicht gelingen wollen. Mominsen
hatte (CIL III 4420) nur die erste und letzte Zeile gelesen; von den im Supplement-
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