Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 18.1895

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II. Das Solabründl von Deutsch-Ältenburg.

Der an der Grenze von Deutsch-Altenburg und Petronell gelegene
und nach dem Solafelde das Solabrüncll genannte Quellenabfluss liefert
auch in der trockensten Jahreszeit ein allgemein geschätztes Trinkwasser,
weshalb der Gutsherr und die Gemeindevertretung von Deutsch-Alten-
burg den A^ersuch machten, dasselbe dem an gutem Trinkwasser Mangel
leidenden Orte zuzuführen. Die vorgenommenen Erhebungen bewiesen,
was längst vermuthet war, dass das Solabriindl ein Leitungscanal ist,
der nach seiner Construction sicher in römischer Zeit angelegt wurde.

Zur Vermeidung einer Beschädigung der Leitung musste von einer
gänzlichen Aufdeckung, die auch zwecklos gewesen wäre, abgesehen
werden. Auch wurde die Ermittlung des Verlaufes durch den erfreu-
ichen Umstand, dass ein langer Theil begehbar ist, sehr vereinfacht.
Se. Excellenz Freiherr von Ludwigstorff liess durch einen seiner
Arbeiter den Canal durchsuchen und an den passenden Stellen, die
durch Pochen von Innen und Abhorchen von Aussen ermittelt wurden,
öffnen.

Auf Seite 203 sind der Lageplan und die Längenprofile des Canals
dargestellt. In ersterein bedeutet 5 einen Fixpunkt der Grenze von
Petronell (P) und Deutsch-Altenburg (DA)] Z ist der Ständer des
weithin sichtbaren zwischen Weidenbäumen stehenden Ziehbrunnens, der
am westlichen Ende der Schönabrunner Haide sich befindet. Diese
beiden Punkte bildeten die Basis der mit ihren Coten in den Plan
eingezeichneten Vermessung, welche der genauen Orientierung zuliebe
in das Coordinatennetz der Catasterkarte eingerückt wurde.

Der erhaltene Theil des Canales beginnt im Süden bei A und geht
von hier mit einer geringen westlichen Abweichung in einer Länge von
circa 840m nach Norden bis VI; nachdem er dort einen von Westsüd-
west kommenden Zufluss aufgenommen hat, geht er in einer leichten
Krümmung circa 230 m nordnordöstlich bis VIII. Der südliche Anfang
wie das Ende sind zerstört und liegen zutage. Die Ziffern I—XI be-
zeichnen die geöffneten Untersuchungsstellen der Leitung, die gewöhn-
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