Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 18.1895

Seite: 206
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/archepigrmoeu1895/0216
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
facsimile
206

Beide Canäle besitzen lothrechte Einsteigöffnungen von 2 bis
2V2 röm. Fuss (60—75 cm) und 3 Fuss (90 cm) im Gevierte, doch reichen
dieselben nicht bis an die Erdoberfläche, sondern sind in veränderlicher
Tiefe unter derselben durch horizontal gelegte Steinplatten abgeschlossen.
Bei der Untersuchung- wurden nicht alle Einsteigöffnungen aufgemacht,
sondern es sind zwischen I und II noch zwei, zwischen III und IV
einer und zwischen IV und V sieben anzusetzen; vielleicht ist auch in
der westlichen Zuleitung noch ein Schacht zwischen X und XI vor-
handen.

Die beiden bis jetzt eingehend besprochenen Canäle vereinigen
sich bei VI unter einem spitzen Winkel zu einem Leitungscanale c, der
mit der Ausflussöflhung (bei VIII) endet. Diese Vereinigungsstelle hat
nur zum Theile die römische Construction bewahrt, indem die Decke
aller 3 Canalzweige in späterer Zeit durch Tonnengewölbe aus Ziegel
Veränderungen erlitten hat. Auch der 60 zu 64 cm messende Einsteig-
schacht ist erneuert, dabei aber etwas verdreht worden.

In Fig. VI (S. 205) ist der Grundriss der drei Canäle a, b, c,
und darüber in den Schnitten die Ansicht derselben vom Einsteig-
schachte aus dargestellt. Die Canäle b, c sind in ihren alten Theilen
(flD) mit Steinplatten flach abgedeckt, an welche die gewölbte Er-
neuerung sich anschliesst. An der südlichen Wand des Canales b
befindet sich ein hervortretender Stein, der wohl nicht zufälligerweise
so eingefügt wurde.

Xach der Vereinigung der beiden Stränge zu einem vermindert die
Leitung ihr Profil; die Breite sinkt auf 40—45cm, die Höhe auf 70 cm
herab und ist daher nicht mehr begehbar. Die Wände derselben sind
aus Ziegeln gemauert, die Sohle ist mit solchen gepflastert, und die
Abdeckung ist mittelst einer horizontal gelegten Steinplatte bewirkt.
Infolge des geringeren Querschnittes und des grösseren Gefälles von
5°/00 fliesst das Wasser geschwinder hindurch bis zum Ende der
Leitung bei VIII, dessen Steinverkleidung erst hergestellt worden ist,
als durch Zerstörung der unteren Strecke eine Unterbrechung der
Leitung eingetreten war. Alle Versuche, die Fortsetzung derselben
nach oben und unten aufzufinden, scheiterten an dem Mangel von
Anhaltspunkten.

Die verschieden grossen Profile und das wechselnde Gefälle einer-
seits, wie die cigenthümliche Lage der Canäle zum Terrain andrerseits
lassen Schlüsse zu auf die Bestimmung der Anlage und auf die
Functionicrung derselben. Wohl verleitet der Umstand, dass das obere
Ende der Leitung zerstört ist, leicht dazu, eine Entwässerungsanlage zu
loading ...