Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 18.1895

Seite: 208
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III. Die älteste Gräberstrasse von Carnuntum.

Als im AVinter 1893/94 fast gleichzeitig- und nahe bei einander
auf dem Burgfeld von Petronell die S; 218 ff. unter n. 10. 11 wieder-
gegebenen Grabsteine des Auxiliaren Proculus und des Legionars Rufus
Lucilius gefunden waren, hatte Herr Bortlik in Schloss Petronell die
Freundlichkeit, mir von beiden sorgfältige Abschriften und Zeichnungen
zuzusenden. Der eigenthtimliche Inhalt der Inschrift auf dem Stein des
Proculus, die Darstellung des Verstorbenen auf dem des Lucilius
machten diese Sendung mir besonders erfreulich, noch mehr aber die
hinzugefügte Angabe, beide Steine seien in situ, also seit ihrerj Auf-
stellung vor mehr als 1800 Jahren unverrückt und unbeschädigt,
gefunden worden, aber mit der Vorder- oder Inschriftseite nach ent-
gegengesetzter Eichtling gewendet. Meine Bitte, mir die Fundstelle
aufzuzeichnen, erfüllte Herr Bortlik auf das vollständigste, indem er
mit grosser Genauigkeit auf einer Katasterkarte nicht nur die neuer-
dings, sondern auch die in den vorhergehenden Jahren in dieser Gegend
gefundenen Inschriftsteine, sämmtlich Grabsteine von activen oder ent-
lassenen Soldaten, eintrug. Die Karte steht auf S. 209, vom Herrn
Architekten Dell nach Bortliks Zeichnungen und Angaben neuerdings
gezeichnet und um zwei seitdem gefundene Steine bereichert. Es sind
das der auf der Karte am weitesten nach Osten verzeichnete, 1894 auf
dem Acker des Josef Glaser gleichfalls in situ stehend aufgefundene?
des obersten Theils beraubte, unter n. 12 abgebildete Stein, dessen
Inschrift jetzt mit L-GAVIDIVS beginnt, und der vor wenigen Tagen
auf dem Acker des Mathias Herl in Stücken liegend gefundene untere
Theil eines Grabsteines, dessen unter n. 5 abgedruckte Inschrift jetzt
mit . . . M . . . | . . . V-A P O beginnt. Diese neuen Funde haben bestä-
tigt, was schon die ursprüngliche Bortlik'sche Karte auf den ersten
Blick lehrte, dass ich in meiner Erwartung mich nicht getäuscht hatte,
dass nämlich jene beiden Grabsteine deshalb nach entgegengesetzter
Richtung sahen, weil die Strasse, an der sie einst standen, zwischen
ihnen hindurch führte, und dass auch die übrigen 101) Grabsteine, die
in den letzten Jahren in dieser Gegend gefunden und deren Fund-
stellen daher genauer bekannt sind, alle an dieser Strasse standen.

Von diesen 12 Steinen sind bisher 3 (n. 1. 6. 7) in dieser Zeit-
schrift und danach im Supplementband von CIL III unter n. 11229-

J) oder 11, wenn man den Sockel zwischen n. 2 und 3 mitzählt.
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