Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 19.1896

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Unsicher ist es, ob die folgenden zwei Reliefbruchstücke, die auf
der Ausgrabungsstelle in Unter-Haidin gefunden wurden, zu Nutrices-
Steinen gehörten: (33) ein Stück des linken Randes, durch einen
canellierten Pfeiler gebildet, ist erhalten, das Ganze sehr zerstört. Kennt-
lich ist der rechte Arm einer Frau mit bis zum Ellbogen reichendem
Ärmel, die rechte Hand giesst eine flache Schale über die Flamme
eines rechteckigen Altares aus, der zwischen der Einfassung und den
Resten des Gewandes der Figur sichtbar wird. (34) Rundum bestossen;
erhalten ist nur ein runder Altar in Relief mit Unter- und Aufsatz und
mit einer hängenden Binde geschmückt.

Schwieriger noch ist die Entscheidung bei den folgenden beiden
Reliefs. (35) Ganz nahe vor der Südwand des oben beschriebenen Ge-
bäudes gefunden. Die Platte war 30 cm lang, die Inschrift ist vollständig
(n. 14062): Aeliodorus (contra) \s(criptor) Aug(usti) n(ostri servus) ex
voto pos(uit). Darüber, links am erhaltenen Rande der rechte beschuhte
Fuss und Reste des Gewandes einer weiblichen Figur bis zum Knie;
ihr linker Fuss verschwindet hinter einem rechteckigen Altar, auf dessen
allein erhaltenem niederem Sockel die Buchstaben AVG stehen. Rechts
davon erscheint der etwas vorgesetzte rechte und der etwas zurück-
gesetzte linke Fuss einer Figur, über deren Geschlecht schwer zu ur-
theilen ist. Alles andere ist verloren gegangen. Mit diesem Relief zeigte
ein anderes (36), das nach Angabe des Herrn Professor Graupmann an
derselben Stelle gefunden worden ist, die grösste Übereinstimmung.
Im Juli 1888 hatte der genannte Herr das Stück, das kurz vorher in
seinen Besitz gelangt war, nach Graz gesendet und bei dieser Gelegen-
heit hat 0. Hirschfeld die Inschrift abgeschrieben (n. 10873, vgl. p. 2279):
Jidius Bom[ulus?]\votum posu[if]. Darüber war von dem Relief nur
ein oben abgebrochener viereckiger Altar erhalten, mit Buchstaben, die

Hirschfeld gelesen und zu [L]ar(ibus) \ Aug(uStis) ergänzt hat, und

neben dem Altar rechts ein vorgesetzter rechter Fuss. Für eine dritte
Figur ist auf beiden Reliefs kein Platz.

Leider ist es nicht möglich, die Lesung der Buchstabenspuren der
ersten Zeile auf dem Altar (36), die Hirschfeld als „satis certa" be-
zeichnet, nachzuprüfen, da der Stein, welchen ich seinerzeit Herrn Gaup-
mann zurückgestellt hatte, seitdem verloren gegangen ist. Ich selbst
hatte mir nur den Rest von R als sicher notiert und habe Hirschfeld
gegenüber brieflich die Vermuthung ausgesprochen, ob nicht die Hasten
vor R die unteren Theile von V und T sein könnten und also auch
hier [AT]^/r. Aug. zu ergänzen sei. Dem Einsprüche Hirschfelds gegen-
über habe ich diese Vermuthung in dem oben angeführten Aufsatze
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