Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 19.1896

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nicht erwähnt, komme aber jetzt auf sie zurück, da ich einer Mitthei-
lung A. v. Domaszewski's entnehme, dass auch er, unabhängig von mir,
dieselbe Lesung und Ergänzung für wahrscheinlich hält. Ich bemerke hier
zugleich, dass an dem Einwand, den Hirschfeld im CIL gegen die etwaige
Deutung der beiden Reliefs auf Weihungen an die Nutrices erhebt,
dass nämlich auf jedem derselben die Füsse eines Mannes erscheinen,
meine eigenen, zu bestimmten Angaben Schuld sind. Auf 35, das mir
vorliegt, ist jedenfalls die Entscheidung, ob es männliche oder weibliche
Füsse sind, unmöglich. Andererseits würde man auf einer Weihung an
die Lares zwei Männer, rechts und links vom Altare. erwarten, während
auf 35 links zweifellos eine Frau dargestellt ist. Endlich das Argument,
dass auf den sicheren Nutricessteinen stets drei Gestalten abgebildet
sind, hier aber nur zwei Platz haben, ein Argument, das mir bei der
ersten Behandlung der Frage das entscheidende schien, wird dadurch
abgeschwächt, dass es mir jetzt nicht so sicher erscheint wie früher, dass
auf 32 rechts noch eine dritte Figur zu ergänzen ist. Andererseits zeigt
die Weihung an die Lares Augusti aus Spalato — CIL III n. 1950 : Lar,
rechts und links stehend, dazwischen die Inschrift, unter ihr Altar mit
L A.R

der Aufschrift: ay q — eme 80 auffallende Ähnlichkeit mit unseren

Reliefs, nur dass eben, wie schon oben hervorgehoben wurde, zu beiden
Seiten Männer erscheinen, dass eine endgiltige Beantwortung der Frage
nur von erneuter Prüfung der Inschrift 36 zu erwarten ist.

Sämmtlichc hier beschriebene Stücke, mit Ausnahme von 30—32
und 36, befinden sich jetzt im Lapidarium des Antiken-Cabinets am
steiermärkischen Landesmuseum in Graz.

Von den angeführten Inschriften und Reliefs beziehen sieh 1—25,
30—32 bestimmt auf die Nutrices Augustae. Gehen wir von den sicheren
Darstellungen aus, so ergeben sich zwei Gruppen, je nachdem die
thronende Frau mit dem Kinde (C) an den rechten Rand oder in die
Mitte gerückt ist. Der einen (Typus I) gehören an: 2, 3, 6—8, 11 und
IIa. Zu I muss ferner gerechnet werden 4, 5, 19, da die Korbträgerin
Ä der auf 2 und 3 durchaus entsprechend gebildet ist, ebenso 20 wegen
der Übereinstimmung von C mit 3, endlich 17 und 18 wegen der
Haltung von B. die auf 3 wiederkehrt. Der andere Typus (II) ist zu-
nächst nur durch 31 vertreten. Da in der zweiten Zeile der [nschrift
links höchstens sechs Buchstaben: TE-SECV ausgefallen sind und
sich dieser Ergänzung auch Zeile 1 ftigfc, wenn wir nvtr-av,
wiederum sechs Buchstaben, einsetzen, da ferner die stehende Figur
rechts gerade den Raum von sechs Buchstaben einnimmt, so ist klar,
dass links eine Gestalt ergänzt werden muss und am wahrscheinlichsten,
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